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Angst vor der Corona-Infektion

Angst vor der Corona-Infektion

20. März 2020

Wer in der Pflege tätig ist, geht jeden Tag zur Arbeit. Ins Krankenhaus, in den ambulanten Pflegedienst, ins Seniorenheim. Schutzausrüstung ist nicht überall in ausreichendem Maß vorhanden. Eine Situation, die Angst macht. Wie können Pflegekräfte ihre Angehörigen vor der Ansteckung mit Sars-CoV-2 schützen? Normalerweise erlaubt die persönliche Schutzkleidung Sicherheit. Allerdings gibt es Lieferengpässe von Mund-Nasen-Schutz- (OP-Masken) und Atemschutzmasken (FFP2 und FFP3).

Selbst wenn infizierte Pflegende keine Symptome zeigen: Die Angst ist groß, das Virus womöglich zu übertragen. Unseren Angehörigen wie dem Lebenspartner beziehungsweise der Lebenspartnerin und unseren Kindern gegenüber, halten wir für gewöhnlich keinen großen Abstand. Wir stehen ihnen im wahrsten Sinne nah. Oft leben sogar noch die Großeltern oder ein pflegebedürftiger Großelternteil im selben Haus.

Manche Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte schlafen aus Sicherheitsgründen vorübergehend im Krankenhaus. Andere übernachten im Hotel. Bei Alleinerziehenden oder in Familien, in denen beide Eltern pflegerisch oder medizinisch tätig sind, ist das keine Option. Irgendjemand muss sich schließlich um die Kinder, um die pflegebedürftigen Eltern oder um die Haustiere kümmern. Wer soll einkaufen gehen, den Kühlschrank füllen, kochen und putzen? Das Wichtigste muss im Alltag weiterlaufen. Trotz allem.

Wenn sich Symptome zeigen, ist es bereits zu spät

Das Sicherste wäre ein Abstrich. Wenn sich bei Pflegenden, Ärztinnen und Ärzten Symptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber zeigen, bringt ein Abstrich zwar Gewissheit, für die Angehörigen ist es aber schlimmstenfalls schon zu spät. Auch Kolleginnen und Kollegen könnten sich längst angesteckt haben. Darum sollte eine Abstrich zumindest nach jedem längeren Kontakt mit infizierten Patientinnen und Patienten erfolgen und eine selbstverständliche Maßnahme sein.

Vorsichtsmaßnahmen treffen

Sabine M. (42 Jahre) arbeitet für einen ambulanten Pflegedienst. Sie pflegt Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Dabei hat sie auch Kontakt zu Angehörigen. Zu Hause warten ihre beiden Kinder. Die Zwei sind 12 und 14 Jahre alt. „Wenn ich von der Arbeit komme, ziehe ich mich in der Garage um und gehe sofort duschen. Die Kleidung kommt bei 60 Grad in die Waschmaschine.“ Trotzdem bleibt eine gewisse Unsicherheit: „Bei meiner Arbeit kann ich keinen Abstand von zwei Metern zu meinen Patienten einhalten. Wie soll das gehen?“ Die grundsätzlichen Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts beachtet sie auch zu Hause:

  1. Abstand halten: Kinder nicht umarmen, küssen oder streicheln.
  2. Händehygiene: Sie wäscht ihre Hände häufig mit Wasser und Seife und desinfiziert sie zusätzlich.
  3. Hustenetikette: Geniest und gehustet wird in die Ellenbeuge.

Obst und Gemüse wäscht sie gründlich ab. „Früher habe ich das nicht so eng gesehen. Heute denke ich: Wer weiß, wer den Apfel vorher alles angefasst hat.“ Handtücher, etwa zum Abtrocknen nach dem Händewaschen, werden nicht mehr gemeinsam genutzt. Jeder hat sein eigenes. Statistisch gesehen zählen gesunde Kinder nicht zur Risikogruppe. Wirklich beruhigend findet die Altenpflegerin das nicht: „Wer weiß, ob das Virus sich für die Statistik interessiert.“

Angesteckt? Isolation zu Hause

Sich anzustecken ist realistisch. Viele bereiten sich darauf vor. Sie richten zu Hause ein separates Zimmer ein und stellen alles Notwendige vorab bereit. Ein frisch bezogenes Bett, ein Fieberthermometer, Desinfektionsmittel und Taschentücher gehören zur Grundausstattung - sofern es davon noch welche gibt. Auch ein Radio, ein Fernsehgerät, ein Tablet, ein Laptop oder Buch sind sinnvoll, damit man beschäftigt ist. Das Robert-Koch-Institut stellt seit dem 10. März ein Merkblatt für die häusliche Quarantäne zur Verfügung.

Wer sich angesteckt hat und bei milden Symptomen zu Hause bleiben kann, zieht sich zurück. Körperliche Nähe zu den Familienmitgliedern gilt es zu vermeiden. Das heißt: keine Umarmungen, Gute-Nacht-Küsse und keinen Sex. Es ist wichtig, die eigene Krankheitsentwicklung im Auge zu behalten. Bei Atemproblemen sollte die Hausärztin/der Hausarzt beziehungsweise die Fachärztin/der Facharzt per Telefon kontaktiert werden.

Weitere Sicherheitshinweise für die häusliche Quarantäne

Bei Labortests überlebte das Virus auf unterschiedlichen Oberflächen bis zu drei Tage lang. Es ist allerdings nicht sicher, ob darüber eine Ansteckung erfolgen kann. Daher bleibt erstmal sinnvoll, berührte Flächen gründlich zu reinigen.

Infizierte Menschen sollten

  • sich Mahlzeiten/Lebensmittel, Desinfektionsmittel und Medikamente vor die Tür stellen lassen und allein im Zimmer essen
  • benötigte Dinge online bestellen und liefern lassen
  • Geschirr wie Gläser, Tassen und Besteck sowie andere Gegenstände sollten keinesfalls gemeinsam benutzt werden
  • nach der Verwendung am besten das Geschirr im Geschirrspüler reinigen lassen oder gründlich mit Wasser und Spülmittel waschen
  • berührte Oberflächen (Lichtschalter, Bettrand, Nachttisch, Tablet) regelmäßig reinigen
  • Bettwäsche, Handtücher und Waschlappen nicht mit anderen gemeinsam nutzen und nach der Verwendung bei 60 Grad in der Waschmaschine waschen
  • regelmäßig das Zimmer gut durchlüften
  • das Zimmer möglichst nicht verlassen. Lässt sich das nicht vermeiden, sind eineinhalb bis zwei Meter Abstand zu anderen Familienmitgliedern einzuhalten
  • bei Verlassen des Zimmers zusätzlich eine Maske tragen, um ihre Angehörigen vor einer Ansteckung zu schützen
  • Papiertaschentücher nach dem Naseputzen oder Husten sofort entsorgen und keinesfalls auf dem Nachtschrank ablegen oder mehrfach verwenden. Praktisch ist ein Mülleimer mit Deckel
  • Kontakt mit Haustieren vermeiden
  • möglichst die Gästetoilette benutzen und nicht das Familienbadezimmer. Sollte es nur eine Toilette geben, die Türklinke und die sanitären Anlagen (Badewanne, Dusche, Bidet, Toilette, Waschbecken) nach der Benutzung mit Haushaltsreinigern säubern

Sollte ein Familienmitglied das Einräumen des Geschirrspülers für die erkrankte Pflegekraft übernehmen, sollten dabei Handschuhe getragen werden. Auch hier sind wieder sicherheitshalber alle Oberflächen mit Wasser und Seife oder Desinfektionsmittel hinterher zu reinigen. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten auch für das Wäschewaschen.

Kinder bei Verwandten oder Freundinnen und Freunden unterbringen Die Großeltern kommen im Notfall als mögliche Betreuer nicht in Frage. Sie gelten als Hauptrisikogruppe. Wer in Quarantäne bleiben muss, kann sich allerdings nicht um kleine Kinder kümmern. Es entlastet die Situation, wenn vorübergehend Verwandte einspringen können oder die Kleinen bei einer befreundeten Familie übernachten.

Mit der psychosozialen Belastung umgehen

Via Internet bleibt die erkrankte Pflegekraft auf dem Laufenden und kann Kolleginnen und Kollegen zumindest emotional unterstützen. Kontakte zum Freundeskreis und zur Familie sind ebenfalls wichtig. In Frage kommen Telefonate, Mails, Facebook- und Whats App-Nachrichten oder Gespräche über Skype. Es hilft, die eigenen Kinder wenigstens auf dem Bildschirm sehen und ihre Stimmen hören zu können. So hat man weniger das Gefühl, völlig abgekapselt zu sein.

Wer sich fit genug fühlt, kann Stress auch über sportliche Betätigung abbauen. Gymnastikübungen sind ebenso in kleinen Räumen möglich. Vielleicht passt auch ein Heimtrainer mit in das Zimmer.

Michaela Hoevermann