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Medizinische Entdeckungen – Teil 2

Medizinische Entdeckungen – Teil 2

16. März 2020

Diese Forschungen der letzten Jahrhunderte haben die Medizin grundlegend verändert. Nach dem ersten Teil rund um "Medizinische Entdeckungen" gibt es heute die Fortsetzung.

Conrad Röntgen

Wie auch die Erfindung des Penicillins, war die Entdeckung des Physikers Conrad Röntgen 1895 einem Zufall geschuldet. Der würzburger Physik-Professor experimentierte seit Monaten mit Kathodenstrahlen, als ihm dann ein Blatt Papier auffiel. Dieses schien mit einem Material beschichtet zu sein, das unter der Strahlung zu leuchten begann. Seine Entdeckung nannte er “X-Strahlung” und stellte schnell fest, dass diese nicht allein Papier, sondern auch Holz und andere weiche Materialien unterschiedlich stark durchdringen konnte. Röntgen lenkte die X-Strahlen fortan auf Fotoplatten und erhielt so die ersten Röntgenbilder: über einen Holzkasten, ein Jagdgewehr und schließlich, über die Hand seiner Frau.

In der weiteren Entwicklung fiel dann auf, dass sich die tägliche Rasur sogar über das Röntgen ersetzen ließ. Barthaare fielen aus, sobald sie unter Strahlung standen. In Schuhgeschäften begannen die Leute, Kinderfüße zu beleuchten, um das passende Schuhwerk zu finden.

Ein Patent hat Conrad Röntgen auf seine Entdeckung nie erworben. Im Jahr 1901 erhielt er dann den überhaupt ersten Nobelpreis für Physik.

Insulin

Diabetes beschäftigt Mediziner schon seit sehr langer Zeit. Die ersten Aufzeichnungen, die auf eine solche Erkrankung hinweisen, stammen aus dem Jahr 1530 v. Chr.. Frederick Banting war kanadischer Chirurg, Veteran des ersten Weltkriegs und fasziniert von Diabetes. 1920 entwickelte er eine Methode, um die Produktion von Pankreasextrakten ohne störende Verdauungsenzyme zu ermöglichen. Zusammen mit dem Professor für Physiologie der Universität in Toronto, J.R. MacLeod und seinem Assistenten Charles Best, gelang es den Dreien bereits nach wenigen Wochen den ersten Pankreasextrakt zu isolieren und einen Hund damit erfolgreich zu behandeln.

Gemeinsam mit Biochemiker James Collip, gelang dann die Behandlung eines 14-jährigen Jungen mit Diabetes-Erkrankung, Leonard Thompso, am 23.Januar 1922. Schon im darauffolgenden Jahr wird ihnen der Medizinnobelpreis verliehen. Innerhalb weniger Jahre stieg die Insulinproduktion soweit an, dass fast alle Diabetiker der westlichen Welt versorgt werden konnten. Dieser Erfolg ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass Bantings und Bests entschieden hatten, auf Lizenzgebühren für ihr Patent zu verzichten.

Die Entdeckung der Chemotherapie

Auch die Entdeckung der Chemotherapie, die in der Medizin so viel verändert hat, war wohl eher ein Zufallsprodukt. Im zweiten Weltkrieg erforschten demnach zwei amerikanische Pharmakologen, Louis Goodman und Alfred Gilman, nach der Wirkung von Senfgas. Senfgas ist eigentlich ein Giftstoff, der nachhaltig Haut, Augen und Lunge verätzt. Er wurde im ersten Weltkrieg von der deutschen Armee eingesetzt. Amerika fürchtete einen erneuten Angriff mit Senfgas schließlich zu Beginn des zweiten Weltkrieges und begann selbst daran zu forschen. In den Testversuchen stellten sie fest, dass Kaninchen, die dem Gas ausgesetzt waren, sehr wenige, weiße Blutkörperchen aufwiesen. Das brachte sie auf die Idee, eine Behandlung mit dem Gas bei Krebserkrankungen zu testen

Die ersten Versuche am Menschen begannen ab dem 27. August 1942. Der Patient, mit den Initialen J.D. vermerkt, konnte allerdings seine Krankheit nicht überwinden. Der Tumor war zu fortschritten, er verstarb nach wenigen Monaten. Die Forschung aber blieb dran: der Krebs konnte zwar nicht geheilt werden, dafür war ein Schrumpfen des Tumors deutlich sichtbar. Diese bahnbrechende Erkenntnis wurde erstmals nach Kriegsende publiziert und ging um die ganze Welt.

Desinfektion

Heutzutage sterben in Mitteleuropa nur noch knapp ein Prozent an Infektionskrankheiten. Das war aber nicht immer so: Infektionskrankheiten, wie die Pestepidemie 1347-1351 oder die Antoninische Pest 165/167 n.Chr., spielten über Jahrtausende eine entscheidende Rolle. Bakterien nämlich wurden erst um 1860 entdeckt. Zuvor wusste niemand so genau, wie sich Krankheiten übertragen. Menschen mit Krankheitsanzeichen wurden in Siechenhäuser vor der Stadt untergebracht und ganze Ortschaften abgeschirmt.

Im Jahr 1847 lag die Sterberate bei jungen Müttern im Krankenhaus noch bei 18 Prozent. Fast jede fünfte Frau starb. Der deutsch-ungarische Arzt Ignaz Semmelweis aber erkannte, dass es einen Zusammenhang geben muss, zwischen der hohen Sterberate der Frauen und den Ärzten, die kurz vor der Entbindung des Kindes noch Leichen oder Schwerkranke berührt hatten. Er wies daraufhin alle Ärzte an, ihre Hände in 4-prozentiger Chlorkalk-Lösung zu waschen, bevor sie entbinden durften. Und die Sterberate sank von 18 auf knapp drei Prozent. Was folgte war eine erste Hygiene-Welle: vor jeder Operation wurden sich Hände mit Seife und Bürsten minutenlang gewaschen und dann mit hochprozentigem Alkohol eingerieben. Das führte allerdings dazu, dass sich viele Ärzte über Entzündungen und rissige Haut beklagten.

Ein Jahrhundert später, im Jahr 1965 wandte sich der Assistenzarzt Peter Kalmàr dann an die Bacillofabrik. Gemeinsam entwickelten sie das Sterilium – das erste marktfähige Desinfektionsmittel.

Vanessa Winkler