Trotz Corona-Krise – Darf ich jetzt mein Gehalt neu verhandeln?

Muss ich Krisen-Zeiten abwarten, bevor ich mein Gehalt neu verhandle?

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4. Juni 2020

Pflegefachkräfte, Krankenschwestern und Ärzte bekommen seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Aufmerksamkeit, die sie schon immer verdient haben. Sie werden als systemrelevant angesehen. Doch hat all das einen langfristigen positiven Effekt auf die Pflegefachkräfte? Mit Sicherheit sind all die Aktionen und die Anerkennung der letzten Wochen ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Pflegefachkräfte für das zu entlohnen, was sie täglich für uns leisten. Gerade erst wurde etwa ein neuer Pflegemindestlohn festgelegt.

Fakt ist aber, die Gehälter von Krankenschwestern,Pflegekräften oder Altenpflegern bewegen sich, im Gegensatz zu anderen Branchen, noch immer im unteren Bereich. Doch gerade diese Beschäftigten leisten seit Wochen mehr als üblich – und wünschen sich dafür Anerkennung. Die Frage ist nur, ist jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt, um sein Gehalt oder seine Bedingungen auszuhandeln? Sollte man in Zeiten der Krise nicht lieber die Füße stillhalten?

Wir haben mit der Verhandlungsexpertin und Autorin Claudia Kimich über die aktuelle Lage der Pflegefachkräfte, Krankenschwestern und Ärzte gesprochen und ob die Krise eine gute Verhandlungsbasis darstellt.

Ist die Krise der richtige Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen?

Ob die Krise die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Verhandlung ist, kann pauschal nicht beantwortet werden. Dies muss von Situation zu Situation entschieden werden. Doch es wird wohl immer einen Grund geben, nicht in die Verhandlung zu gehen.

Es ist allerdings immer ein guter Zeitpunkt für eine Verhandlung, wenn man einen Erfolg vorweisen und diesen im Idealfall sogar mit Zahlen belegen kann. Genau das könnte zur Zeit bei vielen Pflegefachkräften, Krankenschwester und Ärzten der Fall sein. Hast du extra Schichten übernommen? Hast du dich flexibel an die neuen Bedingungen angepasst? Hast du einem kranken Kollegen spontan ausgeholfen? Hast du neue Aufgabenfelder übernommen, die du vorher noch nicht bearbeiten konntest? All das können Erfolgsfaktoren für deine nächste Verhandlung sein. Wichtig ist jedoch, dass du den ersten Schritt gehst und dir dabei bewusst machst, was deine Arbeit wert ist.

Vorbereitung ist alles

Würdest du dich für einen Marathon anmelden, wenn du noch nie joggen warst? Sehr wahrscheinlich nicht! Wieso solltest du also in eine Gehaltsverhandlung gehen, wenn du dafür nicht trainiert hast?

5 Tipps von der Verhandlungsexpertin für die perfekte Vorbereitung:

1. Setze dir drei unterschiedliche Ziele für die Verhandlung

Ziel 1: Setze dir ein „Minimum-Gehalt”. Wenn Du unterhalb dieser absoluten Schmerzgrenze bleibst, solltest du dich für eine andere Stelle bewerben. Mach dir dies vorher bewusst – bist du bereit, im Notfall den Arbeitgeber zu wechseln?

Ziel 2: Setze dir ein „Ok-Gehalt”. Dieses Gehalt ist die Grenze, die für dich als angemessen und fair gilt.

Ziel 3: Think big! Setze dir ein richtig gutes Ziel. Was wären die Traumbedingungen für dich? Hierbei kannst du ganz groß denken. Doch stelle dir auch direkt die Frage, wie du dieses Ziel erreichen könntest. Vielleicht kannst du Sonderschichten übernehmen, die besser bezahlt werden?

2. Vernichte bekannte Killerphrasen

Überlege dir bereits vor dem Gespräch, welche Gegenargumente dein Vorgesetzter bringen könnte und überlege dir Antworten dazu. Dies könnte zur Zeit sein, dass die Corona-Pandemie alles erschwert und man erst einmal abwarten muss, wie sich die Situation entwickelt. Auf die Corona-Keule könntest du dann deine Erfolge und dein Engagement der letzten Wochen und Monate aufzeigen und erwidern, dass du für diese Arbeit auch finanziell gewertschätzt werden möchtest. Überlege dir zu jeder Killerphrase eine passende Antwort.

3. Mache dir deine Ängste bewusst

Oft sind wir vor einer Gehaltsverhandlung aufgeregt und angespannt. Mach dir bewusst, warum das bei dir der Fall ist. Was macht dir Angst? Traust du dich vielleicht nicht einmal, dein Wunschgehalt laut auszusprechen? Fällt es dir schwer, dich selbst in einem guten Licht zu präsentieren? Gehe den Ursachen dafür auf den Grund! Und noch viel wichtiger, mache dir deinen Wert bewusst!

4. Übung macht den Meister!

Üben, üben, üben. Bereite dich selbst ausführlich auf das Gespräch vor. Danach solltest du zusätzlich mit Freunden und Bekannten üben. Dies können ruhig Branchenfremde sein. Geht gemeinsam deine Argumente und die Killerphrasen durch. Nimm dich auf Video auf und schaue, wie du in der Situation wirkst. Sei dir außerdem darüber im Klaren, dass dein Arbeitgeber dieser Verhandlungen mit großer Wahrscheinlichkeit mit jedem Mitarbeiter führt. Er ist also bereits in Übung und dir damit einen Schritt voraus. Je öfter du die Verhandlung übst, desto selbstbewusster wirst du im Gespräch auftreten. Es ist auch durchaus sinnvoll, in einen Verhandlungsprofi zu investieren.

5. Gehe positiv ins Gespräch

Stelle dir die letzten 48 Stunden vor dem Gespräch nur einen positiven Ausgang vor. Gehe davon aus, dass dein Vorgesetzter mit dir übereinstimmen wird und du mit einem super Gefühl aus dem Gespräch gehen wirst. Wenn du dir einen negativen Ausgang vorstellst, wirst du auch ganz anders in dem Gespräch auftreten. Bereite dich gut auf die Verhandlung vor – auch, oder besonders, wegen der Corona-Pandemie. Mache dir deinen Wert bewusst und gehe selbstsicher in das Gespräch. Werde dir aber auch darüber im Klaren, dass du gegebenenfalls deinen Arbeitgeber wechseln solltest, sollte der Ausgang der Verhandlung gar nicht mit deinen Zielen übereinstimmen. Doch ganz bestimmt, wirst du in der Pflegebranche schnell einen neuen Job finden mit einem Arbeitgeber, der dein Engagement und deine Arbeit zu schätzen weiß.

Vanessa Winkler

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