Die Planlosigkeit der Corona-Politik kostet Menschenleben

MEDWING
August 20, 2024

Stefan Heyde fragt sich, was noch passieren muss, bis die Politik die Corona-Pandemie in den Griff bekommt.

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    Stefan Heyde


    **Im Moment erleben wir eine Politik, welche nur Maßnahmen ergreift, wenn es überhaupt nicht mehr anders geht. Eine Politik, welche eher auf Umfragewerte schielt, als aktiv, einheitlich und entschlossen zu handeln. **

    Während der ersten Corona-Welle mussten 50.000 Krebsoperationen verschoben werden, was rund einem Viertel der geplanten Eingriffe entsprach. Noch ist nicht abzusehen, bei wie vielen Patient:innen es dadurch zu vermeidbaren Komplikationen und auch Todesfällen kam. Wie viele verschobene Operationen und Behandlungen es bundesweit während der zweiten und dritten Welle gab, wurde offiziell gar nicht mehr erfasst. Allein die AOK gibt für den Zeitraum Oktober 2020 bis Januar 2021 ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Zeitgleich steigt die Anzahl der Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf 510.000 jährlich. Wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter so in die Höhe schnellt, droht in den nächsten Wochen wieder eine große Einschränkung in der Versorgung der Menschen ohne Corona. Die Triage steht wieder im Raum. Dabei kann es durchaus passieren, dass ein:e Ungeimpfte:r jemandem ein Intensivbett wegnimmt, der mit schweren unfallbedingten Verletzungen eingeliefert wird.

    Wenn wir in die Krankenhäuser schauen, dann sehen wir, dass die Intensivstationen sich füllen und zeitgleich die Anzahl der Intensivbetten sinkt. In den vergangenen neun Monaten von 12.000 auf 9.000 Betten. Der Grund dafür ist der Pflegenotstand. Die Pflegekräfte sind ausgebrannt, Burnout und Pflexit nehmen zu. Für die Pflege gibt es bis heute keine Verschnaufpause, schließlich mussten verschobene Operationen zwischenzeitlich nachgeholt werden. Der Idealismus der Pflegekräfte und ihr Berufsbild waren noch nie so verbraucht.

    In den Pflegeheimen mehren sich die Corona-Ausbrüche mit Todesfällen, auch bei geimpften Pflegebedürftigen. Dort sind die Schutzkonzepte immer noch mangelhaft und werden von der Politik seit Beginn der Pandemie nur unzureichend unterstützt. Die Verantwortlichen in der Bundespolitik legen die Verantwortung wieder in die Hände der Länder. Das Resultat: ein weiterer Flickenteppich an Verordnungen, Verboten und Geboten. Man kann sich nur an den Kopf fassen, wenn man sieht, dass Menschen eng gedrängt und ohne wirkliche Kontrollen Karneval bzw. Fasching gefeiert haben. Auch dass Weihnachtsmärkte stattfinden sollen ist ein vollkommen falsches Signal.

    Und dann gibt es noch die Unbelehrbaren. Ca. 19 Millionen Deutsche sind nicht geimpft – viele von ihnen nicht, weil sie es aufgrund von Vorerkrankungen nicht können, sondern weil sie nicht wollen. Bei den Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dass rund 90 Prozent der Intensivpatient:innen mit Corona ungeimpft sind und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, dass die Behandlung ungeimpfter Corona-Patient:innen im Winter bis zu 180 Millionen Euro pro Woche kosten könnte, wird mir schlecht.

    Wissenschaftler:innen, Politiker:innen oder Ärzt:innen, werden währenddessen für ihre Warnungen von Querdenker:innen verlacht und beschimpft. Letztere klagen gegen jede Einschränkung, hetzen gegen Masken und verteufeln die Impfungen. Pflegekräfte müssen sich nicht selten gegen verbale und tätliche Angriffe von Corona-Leugnern zur Wehr setzen. Es kann nicht sein, dass unsere Politik Angst hat, Gesetze zu verabschieden und Konsequenzen zu ziehen, wenn sich auch nur die kleinste Personengruppe benachteiligt fühlen könnte. Während andere Länder in Europa bereits reagiert haben und reagieren, fahren unsere Verantwortlichen einen Schlingerkurs nach dem anderen: 2G hier, 2G-Plus dort.

    Für mich bedeutet Demokratie, dass man nicht alles einfach laufen lässt und wartet, bis es allen passt oder sich Probleme von selbst lösen. Eine funktionierende Demokratie muss sich auch irgendwann einmal durchsetzen, denn die Planlosigkeit kosten jeden Tag Menschenleben.

    Stefan Heyde

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