
Ich sitze in meinem Sessel mit einer Tasse heißem Kakao und genieße die ruhigen Tage zwischen den Jahren. Zeit, auf das Jahr 2021 zurückzuschauen.
Es steht, leider wieder einmal, das Thema Corona im Vordergrund. Das Virus hat dieses Jahr geprägt, die Entscheidungen der Politik beeinflusst und die Bevölkerung weiter gespalten. Mittlerweile haben wir eine Vielzahl an Impfstoffen und damit eigentlich auch Möglichkeiten, die Pandemie einzudämmen. Leider scheiterte es an der Umsetzung der Politik und an einer kleinen Bevölkerungsschicht, die sich „immun“ gegen das Virus wähnt und eine Impfung ablehnt. Und die, wie ich finde, zu viel Aufmerksamkeit bekommt.
Die politisch Verantwortlichen haben derweil wieder einmal zu lange gezögert, Maßnahmen zu ergreifen und stehen nun ein zweites Mal im Winter vor dreistelligen Infektionszahlen. Man hatte im Bundestagswahlkampf viel zu tun und jede unbedachte Aktion hätte eventuelle Stimmen in der Bevölkerung gekostet. Wenn das Gesundheitsministerium dann aber auch noch daran scheitert, eine ausreichende Impfstoffmenge für das kommende Jahr zu kalkulieren, muss man an der Kompetenz der Entscheidungsträger zweifeln. Das Gesundheitswesen ächzt unter der Last der Pandemie und in der letzten Legislaturperiode wurden zu wenige Weichen gestellt, um die dringendsten Baustellen des Gesundheitssystems aus dem Weg zu schaffen. Der Pflegenotstand schreitet voran, die Gesellschaft wird immer älter und kränker, geplante Operationen werden aufgrund von Corona abgesagt, Vorsorgeuntersuchungen für Krebserkrankungen haben abgenommen, Pflegekräfte reduzieren ihre Stellen auf Teilzeit oder wählen gar den Pflexit. In der Altenpflege gibt es immer stärkere Bestrebungen, die Fachkraftquote zu senken. Die Krankenhäuser machen Umsatzverluste. Ambulante Dienste wissen nicht, wie sie Pflegekräfte finden sollen und mit welchem Geld sie sie bezahlen sollen, denn die niedrigen Pauschalen binden den Fortschritt.
Auch 2021 stellt die Pandemie das Gesundheitssystem vor große Probleme
Die Situation hat sich verschlimmert und die Corona-Krise macht die Probleme für die Bevölkerung sichtbar. Doch diese ist, nach fast zwei Jahren Pandemie, müde geworden. Über die Pflege wurden hunderte Artikel geschrieben und Berichte gesendet. Jeder weiß, dass Pflegekräfte mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen fordern, doch es ist zu befürchten, dass die meisten nur noch mit halbem Ohr zuhören.
Ende des Jahres 2021 wurde ein neuer Bundesgesundheitsminister gewählt. Jens Spahn ging, Karl Lauterbach kam. Ein Mediziner und Epidemiologe, also jemand vom Fach. Seine ersten Aktionen und Reden hatten Hand und Fuß. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie er seine neue Rolle ausfüllt. Ich erinnere mich an seine Äußerungen bezüglich der Schließung von Krankenhäusern. Er wird sich auch daran messen lassen müssen, wie er die anderen dringenden Themen angeht, fernab von Corona, und ob er Lösungen und Veränderungen anbieten und umsetzen kann.
Für mich selbst habe ich dieses Jahr nach 16 Jahren aktive Pflege am Bett die Reißleine gezogen. Ich will wieder Zeit für die Menschen haben, etwas, dass man im normalen Arbeitsalltag in der Pflege kaum leisten kann. Mein Weg führt mich in die Selbstständigkeit in Form der Alltagsbegleitung und Betreuung. Im Herzen schmerzt es mich immer noch, meinem Traumberuf den Rücken zu kehren, aber ich bleibe ihm doch in einer anderen Form erhalten. Meine Fortbildungen und mein Wissen kann ich nun gezielter einsetzen. Ein anderes großes Projekt von mir hat endlich seinen erfolgreichen Abschluss gefunden, dazu aber mehr im neuen Jahr.
Ich wünsche euch allen ein gutes Jahr 2022.
Stefan Heyde


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