Lohnt sich ein Pflegestudium? Influencerin Vanessa findet: Ja!

MEDWING
August 20, 2024

Influencerin Vanessa berichtet von ihren Erfahrung mit dem Pflegestudium und ob es sich für Pflegekräfte lohnt.

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    Lohnt sich ein Pflegestudium für mich? Diese Frage stellen sich viele Pflegekräfte, die eine neue Herausforderung suchen und ihr Wissen durch eine akademische Ausbildung erweitern möchten. Pflegefachkraft und Influencerin Vanessa Schulte hat sich für ein Studium entschieden. In ihrem Gastbeitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen und erläutert das Pro und Contra eines Pflegestudiums.

    Während meines ersten Stationseinsatzes wurde ich von meiner Lehrerin, Frau M., besucht. Sie verschaffte sich einen ersten Eindruck von mir und meinem Einsatzort. Ich musste ihr zeigen, wie ich ein Fußbad mit einer Patientin abspreche, plane und durchführe. Nach dem ersten und bisher einzigen Fußbad in meiner Pflegekarriere fragte mich Frau M. während des Reflexionsgesprächs: „Frau Schulte, haben Sie schon über ein duales Studium nachgedacht? Ich könnte mir gut vorstellen, dass Sie dort erfolgreich wären.“

    Ich lachte etwas verlegen und bedankte mich für das Kompliment. Allerdings lehnte ich direkt mit einem Schwall an Gegenargumenten ab: „Ich komme gerade von der Uni und möchte nun praktische Erfahrungen sammeln. Meine Tochter ist erst ein Jahr alt und die jetzige Vollzeitausbildung ist schon eine Herausforderung. Außerdem klingt Pflegewissenschaften für mich eher langweilig und trocken.“

    Hallo, mein Name ist Vanessa, und ich befinde mich derzeit im 7. Semester des Studiengangs Angewandte Pflegewissenschaften.

    Ich habe mich also doch für ein duales Studium entschieden. Aber warum? Warum habe ich mir diese Doppelbelastung aufgeladen? Sicherlich nicht wegen des Geldes, oder der „grandiosen“ Karrierechancen, aber darauf komme ich später nochmal zurück. Was war dann meine Intention?



    Die Antwort ist einfach: Ich möchte mein berufliches Potenzial voll ausschöpfen und mich selbst und die Pflege weiterentwickeln. Ich möchte dazu beitragen, dass dieser tolle Beruf zu einer Profession wird und den sich ständig ändernden Anforderungen im Gesundheitswesen gerecht wird.

    Ich möchte lernen, wie ich mein Handeln auf Station anhand von Evidenz begründen kann, um fachlichen Diskussionen mit anderen Disziplinen auf Augenhöhe standhalten zu können. Ich will wissen, wie ich mir fachlich korrekte Antworten auf all meine Fragen erarbeiten kann. Denn mit einem „das machen wir hier schon immer so“, wollte und will ich mich einfach nicht zufriedengeben.


    Studentin lernt in der Bibliothek


    Finanzielle Unterstützung vom Arbeitgeber

    Mein Arbeitgeber übernahm von Anfang an die Semestergebühren und gibt mir für die Blogwochen an der Hochschule frei. Während der Ausbildung hatte ich also keinerlei finanzielle Verluste, und diejenigen, die ich jetzt habe, nehme ich durch meine reduzierte Stundenzahl auf der Station mehr oder weniger freiwillig in Kauf.

    An staatlichen Hochschulen besteht die Möglichkeit, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und bei regelmäßiger Zahlung der Semesterbeiträge, „irgendetwas mit Pflege“ zu studieren.

    Die Höhe der Semestergebühren variiert dabei von Hochschule zu Hochschule. Bei mir sind es ganz genau 358,01 Euro. Es gibt auch private Hochschulen, bei denen monatliche Kosten anfallen. Der Bachelor-Abschluss, der in der Regel 6 Semester bzw. 3 Jahre dauert, beläuft sich dort auf mindestens 10.000 Euro.

    Das ist schon eine beachtliche Summe, wenn man bedenkt, dass die Karrierechancen und das Gehalt im Anschluss nicht besonders rosig sind. In einer Beziehung würde man sagen: „Es ist kompliziert.“ Es gibt zwar Arbeitsplätze für akademisierte Pflegekräfte, aber immer noch viel zu wenige und teilweise sind sie eben auch sehr schlecht bezahlt.



    Menschen wie ich, die sich für ein duales Studium der Pflegewissenschaften, Pflege oder Advanced Nursing Practice entscheiden, möchten meist in der direkten Patient:innenversorgung, also „am Bett“ bleiben. Sie möchten keine Führungspositionen, sie möchten nicht bei Krankenkassen arbeiten oder in Pflegeschulen unterrichten.

    Pflege-Akademiker:innen wollen oft keinen Schreibtischjob

    Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Pflegekräfte nur studieren, um vom Bett wegzukommen, möchten sie eigentlich genau dort ihre Kompetenzen einbringen. Sie möchten evidenzbasiertes Wissen auf die Station bringen und so den pflegerischen Alltag den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen anpassen.

    Soweit die Theorie und der Traum. Doch der Traum gleicht eher einem Fiebertraum. Denn derzeit sind studierte Pflegekräfte nicht wirklich auf Station erwünscht. Außer sie arbeiten als reguläre Pflegefachkraft weiter und halten möglichst den Mund bezüglich ihres Studiums.


    junge Studentin


    Potenziale des Pflege-Studium besser nutzen: Politik und Einrichtungen sind gefragt

    Denn nicht nur die Politik hat kein Interesse an ihnen, auch viele der Kolleg:innen beäugen „die Studierten“ skeptisch. Immer schwingt die Angst mit, dass die studierten Kräfte „etwas Besseres“ sind, dass sie denen mit der Ausbildung etwas wegnehmen oder streitig machen.

    Dass die Qualität im Team verbessert werden kann, geht dabei leider oft unter. Da verwundert es nicht, dass der Frust der studierten Pflegekräfte groß ist. Nein, er ist riesig. Viele von ihnen werden seit Jahren vertröstet, dass sie bald „erweiterte Tätigkeiten“ übernehmen können, wenn sie nur noch ein wenig Geduld haben.

    Nach Jahren des Wartens und Stillstands verlassen diese Pflegekräfte dann oft die direkte Versorgung und suchen zwangsläufig andere Wege. Viele studieren jahrelang, manche so wie ich sogar ausbildungs- bzw. berufsbegleitend, und erweitern kontinuierlich ihr Fachwissen. Nur um festzustellen, dass es niemanden wirklich interessiert, geschweige denn finanziell honoriert wird. Die Kollegen und Kolleginnen fühlen sich verarscht und wenig wertgeschätzt. Da ist es doch nur verständlich, dass sie irgendwann das Handtuch schmeißen und die direkte Patient:innenversorgung verlassen.



    Auch ich stehe kurz vor dem Abschluss meines Studiums. Meine Wunschstelle, eine Hybridstelle aus regulärer Stationsarbeit und Tätigkeiten als Pflegewissenschaftliche Referentin, gibt es in meinem Haus nicht. Auch in den umliegenden Krankenhäusern sieht es nicht viel besser aus. Es sei denn, man schaut zu den Unikliniken, wo es bereits einige solcher oder so ähnlicher Stellen gibt. Dort besteht die Möglichkeit, eigene Projekte umzusetzen und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.



    Du fragst dich nun sicher, ob ein solches Pflegestudium auch etwas für dich sein könnte. Ob es sich unter den Umständen überhaupt lohnt?

    Auch ohne deine genaue Situation zu kennen, sage ich: Ja! Wenn du die Zugangsvoraussetzungen erfüllst, solltest du es ausprobieren! Ich bin mir sicher, dass die deutsche Politik irgendwann den Weg zur Akademisierung einschlagen wird, so wie es unsere Nachbarländer bereits seit Jahren tun und spätestens dann sind wir gefragt.

    Dank meines Studiums habe ich einen völlig neuen Blick auf den Beruf der Pflegefachkraft gewonnen. Ich bin selbstbewusst und weiß, was ich kann und in welch einem besonderen Beruf ich tätig bin. Das Studium hat mich letztendlich davon abgehalten, der Pflege den Rücken zu kehren. Ich würde es immer wieder genauso machen!

    Vanessa Schulte (Instagram: @vanessa.schulte_)


    Anmerkung der Redaktion: Das Bundeskabinett hat am 24.5.2023 das „Pflegestudiumstärkungsgesetz“ verabschiedet. Es sieht vor, dass Pflegestudent:innen während ihres gesamten Studiums eine „angemessene Vergütung“ erhalten. Die genaue Höhe der Vergütung bleibt im Gesetz jedoch offen.

    Ziel der Bundesregierung ist es, die Anzahl der Pflegestudent:innen von derzeit 500 auf 1.000 pro Jahrgang zu verdoppeln. Das Gesetz zielt auch darauf ab, die Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.

    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach betont die Bedeutung der hochschulischen Pflegeausbildung für die Weiterentwicklung und Aufwertung der Pflegeberufe. Die Vergütung soll den Studenten ermöglichen, sich vollständig auf ihr Studium zu konzentrieren, ohne nebenbei arbeiten zu müssen.

    Ausbildungseinrichtungen sollen ebenfalls von dem Gesetz profitieren. Die Kosten werden ähnlich wie bei der beruflichen Ausbildung über Ausbildungsfonds zurückerstattet, um die Bereitschaft der Einrichtungen zu fördern, mehr Studierende auszubilden.

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