
Erinnert sich noch jemand an diese eine Gewerkschaft für die Pflegeberufe, welche es mal bis Mitte der 90er gab? Warum? Ganz einfach. In diese Nische möchte nun der im Mai 2020 neu gegründete „Bochumer Bund“ stoßen und sich als Konkurrenz zu Ver.di beweisen.
Diese Gewerkschaft wurde hauptsächlich von Studierenden der Pflegewissenschaft und Befürwortern der Pflegekammer gegründet. Also genau das Klientel, welches sich häufig nicht von ver.di vertreten fühlt. Eine Mitgliedschaft in ver.di und dem Bund wurde gleich zu Beginn kategorisch ausgeschlossen und auch sonst legt man nicht viel Wert auf eine Zusammenarbeit. Man geht damit auch gleich auf Konkurrenzkurs zu ver.di und möchte dort die unzufriedenen Mitglieder der Pflege und Befürworter der Pflegekammer abwerben. Denn man sieht sich als Alternative und möchte schließlich die Pflegeberufe endlich standesgemäß, ähnlich wie der „Marburger Bund“ die Ärzte, vertreten.
Bei meiner Recherche ist mir dann gleich ein wichtiger Fakt ins Auge gesprungen, welche diese Stellung für die Pflegeberufe ein wenig fraglich macht. Denn im Saarland spricht sich die stellvertretende Vorsitzende des „Bochumer Bundes“ für die Schließung des Krankenhauses in Neunkirchen aus, soviel zum Thema Gewerkschaft „für die Pflege“. Die Aussage des „Bochumer Bundes“ bald in Tarifverhandlungen einzusteigen sehe ich bei einer Mitgliederzahl von aktuell um die 400 Mitglieder aus ganz Deutschland ebenfalls sehr kritisch – vor allem was ihre Durchschlagskraft in solchen Verhandlungen angeht.
Was mich aber wirklich aufregt und fassungslos macht, ist, dass es aktuell nur darauf hinausläuft die Pflegeberufe weiter zu spalten und zu schwächen. Statt Zusammenhalt und Zusammenarbeit wird am Ende wieder nur eine weitere kleine und unbedeutende Gewerkschaft stehen, welche sich den Arbeitgebern für „Dumping-Tarifverträge“ anbietet. Dieses Phänomen erleben wir auch in anderen Bereichen schon häufig und es führt dort nur zur Spaltung der bereits organisierten Berufsgruppen.
Es kommt nicht auf den Namen der Gewerkschaft an, sondern auf ihre Mitgliederzahl. Wenn es nur wenige Mitglieder und Betriebsräte gibt, kann auch eine Gewerkschaft nur begrenzt etwas erreichen. Man sollte meinen, die Pflegeberufe würden irgendwann einmal dazulernen und es schaffen sich gemeinsam zu organisieren. Aber es bleibt dabei: Auf der Strecke bleibt mal wieder die Pflege, weil Spaltung und eigene Interessen wichtiger sind als das große Ganze.


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