
Sprechen wir doch einmal über die Generalisierung in der Pflegeausbildung.
An sich eine großartige Sache, denn wenn alles gut durchdacht und geplant ist, hat man dadurch ein einheitliches Wissen in allen Bereichen und kann auch im europäischen Vergleich mithalten. Denn immerhin ist dort eine studierte Pflege schon lange eingeführt.
Aber, wir sollten auch die Schattenseiten nicht vergessen. Denn im Moment liegt kein Konzept vor, wodurch es zu diesen hohen Standards kommen wird. Wir haben drei unterschiedliche Berufe – also die der Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege – welche einfach in einen Topf geworfen werden, aber unterschiedliche Ansätze haben. Und wenn man sich dann noch überlegt, dass für jeden Beruf vorher schon drei Jahre Ausbildung notwendig waren aufgrund der Fülle an Wissen, Erkrankungen und vieles mehr, dann ist es für mich jetzt sehr schwer zu verstehen, wie das Wissen von insgesamt neun Jahren und drei Ausbildungen in drei Jahren gelehrt werden soll – ohne dass es dabei Wissensverlust gibt.
Dazu kommen die hohen Abwesenheiten während der Ausbildung. Diese sind für kleine ambulante Dienste oder Pflegeheime nur sehr schwer zu verkraften. Auch die Vielzahl an Personal welches benötigt wird, um auszubilden und die Kooperationspartner, wie etwa Altenpflegeschulen, nehmen diesen Betrieben die Luft und Möglichkeit.
Außerdem, und da müssen wir auch ehrlich sein, werden nur wenige, die diese generalisierte Ausbildung abgeschlossen haben im ambulanten Dienst oder in der Altenpflege landen. Sei es aus Gründen des Verdienstes, der Aufstiegsmöglichkeiten als auch einfach der Fakt, dass solche qualifizierten Pflegekräfte nicht mehr unbedingt am Bett arbeiten möchten.
Am Ende wird es so sein, dass es noch weniger Personal für ambulante Dienste und Altenpflege gibt. Gerade die Bereiche, wo es aktuell schon zu wenig Bewerber gibt. Oftmals sind Stellen in der Altenpflege im Schnitt 183 Tage offen, bevor sie besetzt werden können und im ambulanten Dienst gibt es schon jetzt kaum Bewerber. Die Pflegeheime werden und wollen sich solche Fachkräfte nicht leisten, der ambulante Bereich kann es schlichtweg nicht.
Wir haben in Deutschland immer das Problem, dass wir zwei Schritte vor dem eigentlichen Schritt machen. Wichtiger wäre gewesen ein neues Gesundheitssystem einzuführen, danach der flächendeckende Tarifvertrag und dann die Generalisierung.
So haben wir wieder nur eine halbdurchdachte Aktion der Politik, an deren Ende der Pflegenotstand nicht besser werden wird, sondern sich in den Bereichen verschlimmert, in denen wir dingend qualifiziertes Pflegepersonal benötigen – der Altenpflege und dem ambulanten Dienst."
Stefan Heyde


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