
In der heißen Jahreszeit denken wir an Freibad, Urlaub und Sonnenbrille. Aber gerade in dieser Zeit hatte ich, als ich noch in der Altenpflege gearbeitet habe, immer ein ungutes Gefühl.
Dieses Gefühl betraf die Bewohner:innen. Trinken sie genügend, ist das Zimmer auch kühl genug, werden die Zwischenmahlzeiten angepasst? Das waren nur einige der Fragen, die ich mir stellte.
Bis heute ist es für mich unerklärlich, warum die Zimmer in Pflegeheimen nicht serienmäßig mit Klimaanlage oder Ventilatoren ausgestattet werden. In den Gruppenräumen meist ein ähnliches Bild: ein oder mehrere Ventilatoren, welche streng von der Pflegedienstleitung verwahrt werden. Ab und an gab es selbst für die Pflegekräfte in ihrem Stationszimmer keine Abkühlung. Man behalf sich mit mitgebrachten Dingen wie einem Handventilator oder einem selbstgebauten Fächer.
Auch was Speisen und Getränke anging, änderte sich meiner Erfahrung nach wenig. Meistens gab es ein wenig mehr Obst und einen Krug mit gekühltem Sirupwasser. Dazwischen das Übliche: Kaffee und Kuchen. Eine Abwechslung, wie zum Beispiel Wassermelone etc. wurde nur selten angeboten. Auch die Hauptspeisen waren heiß, schwer und fettig. Leichte Kost, wie in warmen Ländern üblich, suchte man vergeblich und es wurde auch nicht versucht, sie den Menschen schmackhaft zu machen.
Stattdessen war es ein Kampf gegen Windmühlen. Ich kühlte Getränken selbst für die Bewohner:innen, brachte Eiswürfel mit und hängte feuchte Handtücher vor die Ventilatoren, um die Hitze zu mildern. Außerdem verteilte ich feuchte Waschlappen an die Senior:innen, um sie zu kühlen oder lüftete im Frühdienst vor der großen Hitze und verdunkelte dann die Zimmer.
Ironischerweise gibt es in jeder Pflegeeinrichtung einen Standard gegen Exsikkose, also Dehydratation, und eine Vorgehensweise bei Hitze. Meist nicht mehr wert als das Papier selbst. Nach wie vor taucht die Diagnose Exsikkose in den warmen Tagen als eine der häufigsten auf dem Krankenhausentlassungsberichten alter Menschen auf.
Der ältere Mensch hat ein verringertes Trinkbedürfnis, sei es durch das Alter oder Krankheiten, aber auch durch entwässernde Medikamente. All das lernen wir Pflegekräfte in der Ausbildung, wir sehen es täglich überall und wissen um die Gefahren. Aber durch die Eile und Hektik, in der Pflegekräfte häufig arbeiten müssen, fällt es hinten runter. Mein Appell an Pflegeeinrichtungen und Fachkräfte: Beschützt eure Bewohner:innen vor der Hitze und Dehydratation, indem ihr die Schutzmaßnahmen konsequent umsetzt oder die Verantwortlichen darauf hinweist. Bleibt aufmerksam und handelt, bevor es zu spät ist.
Stefan Heyde


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