
Es gibt aktuell kein Thema, welches die Pflegekräfte so spaltet wie die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Ob sie, wie ursprünglich geplant, tatsächlich am 15. März eintritt, ist momentan fraglich. Bayern hat vor gut einer Woche bereits angekündigt, sie vorerst nicht umzusetzen. Was spricht für die Teil-Impfpflicht und was dagegen?
Natürlich kann man auf der einen Seite sagen, dass eine einrichtungsbezogene Impfpflicht keinen Sinn macht, da der größte Teil der Pflegekräfte ja bereits geimpft ist. Das stimmt, aber diese Impfpflicht greift ja auch für die übrigen Beschäftigen in diesem Bereich, die Kontakt mit Pflegebedürftigen haben könnten. Das finde ich sehr vernünftig.
Man kann auch sagen, dass eine Impfpflicht den Pflexit beschleunigt, denn immerhin haben sich laut Bundesagentur für Arbeit im Januar rund 12.000 Pflegekräfte mehr arbeitssuchend gemeldet. Dies könnte damit zusammenhängen, dass ungeimpfte Pfleger:innen sich auf die Suche nach anderen Jobs begeben müssen, wenn die Impfpflicht kommt. Dieser Umstand würde die Bundesländer unterschiedlich hart treffen – in Sachsen ist die Quote ungeimpfter Pflegekräfte beispielsweise höher, als in Rheinland-Pfalz. Trotzdem gehe ich nicht davon aus, dass eine enorme Abwanderung stattfinden wird. Dies haben bereits andere Länder mit einer Impfpflicht (z. B. Griechenland) gezeigt.
Ich versuche, mich immer in die Lage von allen zu versetzen. Wie würde ich mich als Pflegebedürftiger fühlen, wenn ich von einer ungeimpften Pflegekraft behandelt würde? Ich hätte eine gewisse Angst, dass ich etwas abbekomme. Dass man die eigene Gesundheit schützen möchte, ist nur natürlich. Ganz zu schweigen davon, dass ich als Pflegebedürftiger oder Angehöriger auf Schadensersatz vom Arbeitgeber verlangen würde, wenn ich durch sein ungeimpftes Personal eine Schädigung oder Einschränkung davontragen würde. Für mich ist außerdem der moralische und ethische Aspekt enorm wichtig. Denn als Pflegekraft habe ich eine große Verantwortung gegenüber Patient:innen und Bewohner:innen. Da bleibt kein Platz für unwissenschaftlich geführte Diskussionen.
Warum wehren sich manche so gegen diese Impfung, deren Sicherheit und Nutzen sich nun schon über Monate erwiesen hat? Wenn ich mir anschaue, wie viele Impfungen wir sonst akzeptieren – beruflich, als Gesundheitsschutz oder auch, wenn wir in den Urlaub fahren, dann kann ich diesen Aufschrei und diese Diskussion in der Gesellschaft nur mit einem Kopfschütteln bedenken.
Anstatt sich darüber innerhalb der Pflegeberufe zu zerfleischen, wären ein gemeinsamer Kampf für bessere Arbeitsbedingungen, ein Umbau des Gesundheitssystems und die Zukunft des Pflegeberufes viel wichtiger. Letztlich steht für mich außer Frage, dass diese Pflicht notwendig ist, denn mit keiner freiwilligen Handlung wird man alle überzeugen können. Wer dann immer noch eine Impfung ablehnt, muss eben die Konsequenzen tragen.
Stefan Heyde


%20(1).png)




.png)