Urban Exploring – Lost Places der Medizin rund um Berlin

MEDWING
August 20, 2024

Lost Places üben eine große Faszination aus, gerade verlassene Heilstätten. Diese sind besonders sehenswert!

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    Wir haben die Lost Places der Medizin rund um Berlin zusammengestellt und verraten, welche dieser Orte man legal erkunden darf.

    Verlassene Orte üben eine unwiderstehliche Faszination auf uns aus. Man fühlt sich als würde man in eine andere Zeit eintauchen und versucht zu verstehen, was an diesem Ort passiert sein könnte. Wie haben die Menschen damals gelebt? Wieso wurde dieser Ort (oft fluchtartig) verlassen? Das Auskundschaften von verlassenen Orten, auch Lost Places genannt, hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Hobby für viele entwickelt. Da zahlreiche Gebäude häufig baufällig oder im Privatbesitz sind, ist das Betreten der Gelände meist verboten. Doch nicht überall!

    Regeln des Urban Exploring

    Bevor man sich jedoch auf den Weg zu einem der Lost Places macht, möchten wir die Regeln des Urban Exploring erklären:

    • Nur Fußspuren hinterlassen: Nichts wird verändert, beschmutzt, besprüht oder geklaut. Auch rauchen ist verboten. Denn sonst können sich Funken schnell zu einem Feuer entwickeln, das den gesamten Ort zerstören könnte.
    • Respektiere das Eigentum Anderer: Sollte es keinen legalen Zugang zu einem Gebäude geben, dann sollte man diesen nicht gewaltsam erzwingen.
    • Sei vorsichtig: Lost Places sind oft baufällig, teilweise einsturzgefährdet.

    Beelitzer Heilstätten

    Die ehemalige Tuberkulose-Klinik befindet sich auf einem 200 Hektar großen Gelände mit 60 Gebäuden in der Nähe von Berlin.Erbaut wurde das Gelände samt Gebäude in drei Bauphasen von 1989 bis 1930, mit rund 1200 Betten, Badehäusern, Waschhäusern und einer eigenen Kirche.

    Die Tuberkulose-Klinik wurde im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und Sanatorium für erkrankte und verwundete Soldaten genutzt. Von 1914-1918 waren dort 17.500 verletzte oder erkrankte Soldaten untergebracht, unter anderem Adolf Hitler.Ab 1942 wurde auf dem Gelände ein Ausweichkrankenhaus für Potsdam erbaut. Bis 1988 wurde dieses als zivile Fachklinik für Lungenkrankheiten und Tuberkulose genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee die Heilstätten. So wurden die Heilstätten zu dem größten Militärhospital der sowjetischen Armee im Ausland bis 1994.

    Die Gemeinde Beelitz versuchte lange von dem Grusel-Image wegzukommen. Sie erbauten eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus und eine Rehabilitationsklinik für Kinder. Doch wegen zu hoher Mieten mussten alle Ende 2019 schließen.

    2015 wurde dann auf dem Gelände der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte der erste Baumkronenpfad Brandenburg eröffnet.

    Das Gelände ist mittlerweile zugänglich und es werden täglich verschiedene Führungen angeboten. So bekommt man nicht nur die verfallenen Fassaden zu Gesicht, sondern auch das mysteriöse Innere der Gebäude.

    Mehr über die Beelitzer Heilstätten erfährst du hier.

    Adresse: Beelitz-Heilstätten, 14547 Beelitz

    Ehemaliges Institut für Anatomie der FU Berlin

    Das ehemalige Institut für Anatomie der FU Berlin wurde 1929 errichtet, jedoch erst 1949 als Anatomisches Institut eröffnet.

    2003 schlossen sich die medizinischen Einrichtungen der FU und der HU zur “Charité – Universitätsmedizin in Berlin” zusammen. In diesem Zuge wurde das Gebäude 2005 geschlossen.2008 versuchte Aldi dort ein Einkaufszentrum zu eröffnen. Doch der Bezirk erteilte keine Baugenehmigung.

    Seitdem wird das Gebäude zu einem immer beliebter werdenden Lost Place. Der Grund dafür ist vor allem, dass das Gebäude kaum überwacht wird und es nur sehr wenig Sicherheitsvorkehrungen gibt. So kannst Du in die andere Zeit abtauchen:Wenn Du das Gebäude betrittst, findest Du in den oberen Etagen die Hörsäle,Büros und Laboratorien. In diesem Bereich sieht man ein großes Ausmaß an Zerstörung und Verschmutzung. Gehst Du jedoch in den Keller, bekommst Du wohl eher ein beklemmendes Gefühl. Denn hier läufst Du an den Kühlkammern und Seziertischen vorbei.

    Nur weil das Gelände wenig bewacht ist, bedeutet dies jedoch nicht, dass das Betreten des Geländes erwünscht ist.

    Adresse: Königin-Luise-Straße 15, 14195 Berlin

    Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

    Das 1901 errichtete Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war eine Folge der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit Anfang des 20. Jahrhunderts.Das Krankenhaus Weißensee war das erste kommunale Säuglings- und Kinderkrankenhaus in Preußen und war eine der fortschrittlichsten medizinischen Einrichtungen des Landes.Geplant war es bis zu 40 Säuglinge und Kleinkinder aufzunehmen, teilweise wurde die Patientenzahl aber auf 100 Säuglinge und Kleinkinder erhöht.

    Das Gelände ist 28.000 Quadratmeter groß und bot Platz für viele Wirtschaftsgebäude, ein eigenes Kraftwerk, einen Kuhstall für 36 Kühe und eine eigene Molkerei.Zusätzlich befand sich auf dem Gelände ein Hörsaal, in dem die Krankenschwestern in ihrer Ausbildung lernen konnten. Die Bevölkerung konnte sich in öffentlichen Vorträgen zur Säuglingspflege Wissen darüber aneignen.

    1997 wurde das Krankenhaus aufgrund zu hoher Kosten und der sinkenden Bevölkerungszahl geschlossen. Ein russischer Investor kaufte das gesamte Gelände, durfte das denkmalgeschützte Gebäude allerdings nicht abreißen. Doch 2018 wurde das Gelände wieder an Berlin überschrieben, nachdem es viele Jahre vor Gericht verhandelt wurde.

    Seitdem verfällt das Gelände zu einer Ruinenlandschaft. Die Fußböden im ersten und zweiten Stock sind bereit teilweise eingestürzt und zerstört, überall liegen Bautrümmer und das Dach ist undicht.

    Das Betreten des Geländes ist verboten!

    Adresse: Hansastraße 150, 13088 Berlin

    Heilstätten Grabowsee

    Auch wenn die Heilstätten Grabowsee nicht so bekannt sind, wie die Heilstätten Beelitz, so sind sie dennoch einen Besuch wert.

    Die ehemalige Lungenheilanstalt wurde 1896 vom deutschen roten Kreuz errichtet und war damals die erste Lungenheilanstalt in Norddeutschland.Während des ersten Weltkriegs wurde die Anstalt zur Behandlung von lungenkranken Soldaten genutzt. Außerdem wurden hier bis 1918 Kriegsgefangene untergebracht.

    Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Heilstätten Grabowsee als sowjetisches Lazarett genutzt.

    Seit 2005 nutzt das Gelände Kids Globe e.V., deren Ziel es ist, “Kinder besser auf das Leben vorzubereiten”.2017 wurde auf dem Gelände außerdem der deutsche Horrorfilm “Heilstätten” gedreht.Seit 2019 werden auf dem Gelände Führungen angeboten – auch durch die Gebäude.

    Adresse: Malzer Weg, 16515 Oranienburg

    Waldkrankenhaus Wintermoor – Ein Ausflug nach Schneverdingen

    Das Waldkrankenhaus Wintermoor liegt knapp 350km von Berlin entfernt. Mit einem kleinen Abstecher nach Hamburg, ist dies aber ein tolles Ausflugsziel, um Berlin für einen Tag zu verlassen.

    Das Gesundungshaus Wintermoor wurde 1942 von sowjetischen und polnischen Zwangsarbeitern gebaut. Am 08. Februar 1943 wurde es eröffnet. Es diente mit seinen 400 Betten zunächst als Ausweichkrankenhaus für Hamburg. Im Sommer 1943 wurde das Krankenhaus vergrößert und auf 825 Betten aufgestockt und es entstanden Abteilungen für Innere Medizin, Infektions- und Lungenkrankheiten, Chirurgie, ein Röntgenlabor, mehrere Operationsräume und eine Apotheke.

    Bevor das Krankenhaus 1949 den Namen “Hamburgisches Krankenhaus Wintermoor” erhielt, wurde es 1947/48 zu einer Tuberkuloseklinik umgewandelt. Ab 1968 nannte sich das Krankenhaus “Fachklinik für Erkrankungen der Atemwege”.1976 gab Hamburg die Klinik allerdings auf. Bis 1997 nutze die ENDO-Klinik-Hamburg-Altona die Anlage zur Patientenrehabilitation. Ab 1977 übernahm das privat geführte Pflegezentrum Wintermoor das Gelände und ließ darauf ein Altenheim entstehen. Doch dieses meldete 2005 Insolvenz an. Seitdem ist das Gelände ungenutzt und verfällt langsam.

    Das Gelände befindet sich seit 2011 in Besitz der Wohnungsbau-, Ansiedlungs- und Fremdenverkehrsgesellschaft mbH Schneverdingen und ist deswegen nicht frei zugänglich. Das Betreten des Geländes ist verboten.

    Adresse: Wintermoor, 29640 Schneverdingen

    **Es gibt viele interessante Orte der Medizin, die heute ungenutzt sind. Einige der ehemaligen medizinischen Einrichtungen können heute auf eigene Faust oder mit einer Führung erkunden. Andere Gebäude hingegen dürfen trotz schwacher Sicherheitsvorkehrungen nicht legal betreten werden. Bei Lost Places gilt immer: Ehre diesen Ort und hinterlasse ihn genau so, wie Du ihn vorgefunden hast! **

    Vanessa Winkler

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