Das Studium der Humanmedizin, das dritte Staatsexamen und die Approbation – all das hast du erfolgreich gemeistert. Jetzt steht eine Entscheidung an, die sich maßgeblich auf deine Karriere auswirkt: Welche Facharztrichtung passt wirklich zu dir? Worauf möchtest du künftig deinen Fokus legen? Über 30 Möglichkeiten stehen zur Wahl. In diesem Artikel erfährst du, welche Spezialisierungen es für Fachärztinnen und Fachärzte gibt, welche Aufgaben dich erwarten und wo du tätig sein kannst.
Die Weiterbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt dauert in der Regel vier bis sechs Jahre. In einigen nicht-klinischen Fachrichtungen wie Biochemie und Physiologie bist du schon nach vier Jahren fertig. Die geltenden Bestimmungen für diese medizinische Ausbildung sind allerdings nicht einheitlich geregelt. Die Kompetenz liegt bei der Landesärztekammer des Bundeslandes, in dem du arbeiten möchtest. Die meisten Absolventinnen und Absolventen wählen den Weg in die Klinik. Aber in einigen Fachrichtungen kannst du Teile der fachärztlichen Weiterbildung auch in einer ambulanten Praxis absolvieren. Am Ende steht die Facharztprüfung vor der Landesärztekammer.
Was ist ein Facharzt (w,m,d)?
Dabei handelt es sich um eine Ärztin bzw. einen Arzt mit einer anerkannten Weiterbildung auf einem bestimmten medizinischen Fachgebiet. Den Titel „Facharzt“ (w,m,d) darf nur führen, wer laut EU-Vorgaben in Vollzeit eine entsprechende Weiterbildung absolviert und mit einer Facharztprüfung vor der Landesärztekammer abgeschlossen hat.
Warum ist die Weiterbildung zum Facharzt (w,m,d) sinnvoll?
Mit dem Erhalt deiner Approbation hast du eine Berufserlaubnis und kannst als Ärztin bzw. Arzt arbeiten. Allerdings entscheiden sich die meisten für eine Weiterbildung. Dafür gibt es drei Gründe:
- Spezialisierung: Durch die Wahl eines Fachbereiches ist eine Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich der Medizin möglich.
- Karriere: Nur mit einem Facharzttitel kannst du als Oberarzt (w,m,d) oder Chefarzt (w,m,d) arbeiten.
- Zulassung als Vertragsarzt (w,m,d): Wenn du eine Praxis übernehmen oder gründen möchtest, brauchst du die Zulassung als Vertragsarzt (w,m,d) bei den gesetzlichen Krankenversicherungen. Diese bekommst du nur mit einer absolvierten und bestandenen Facharztweiterbildung.
Welche Aufgaben übernimmt ein angehender Facharzt (w,m,d) während der Weiterbildung?
In deiner Assistenzzeit übernimmst du Routinetätigkeiten und arbeitest als Stationsarzt. Zu deinen üblichen Aufgaben gehören unter anderem:
- die Aufnahme und Entlassung von Patientinnen und Patienten,
- Untersuchungen, Diagnostik und Behandlung,
- Anästhesien und Operationen unter Aufsicht eines Facharztes,
- Visite,
- Blutentnahme und die Anordnung weiterer Laboruntersuchungen,
- Erarbeitung von Behandlungsplänen und Therapien,
- Behandlungsdokumentation und das Verfassen von Arztbriefen
Arzt (w,m,d) in Weiterbildung: Welche Arbeitsstätten kommen infrage?
Deine Weiterbildung zum Facharzt kannst du bei unterschiedlichen Arbeitgebern absolvieren. Welche Einrichtung für dich in die engere Wahl kommt, hängt von deiner gewünschten Fachrichtung ab. Deine Assistenzzeit verbringt du in Festanstellung. Für jeden Fachbereich ist genau vorgeschrieben, wie oft du welche Untersuchungs- und Behandlungsverfahren durchführen musst, damit du die Zulassung zur Facharztprüfung erhältst. Diese Anforderungen arbeitest du nacheinander ab.
Deine Assistenzzeit kannst du verbringen in …
- kommunalen Krankenhäusern,
- Krankenhäusern in kirchlicher Trägerschaft,
- Universitätskliniken,
- privaten Kliniken,
- medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und
- Facharztpraxen.
Welche Fachrichtungen gibt es?
Als angehende:r Fachärztin bzw. Facharzt stehen dir mehr als 30 Spezialisierungsmöglichkeiten offen. Für das bundesweite Berufsmonitoring 2018 wurden 14.000 Studierende zu ihrer angestrebten Fachrichtung befragt. Demnach ist die beliebteste Facharztweiterbildung die Innere Medizin. Auf Platz 2 folgt Kinder- und Jugendmedizin. Den dritten Platz belegt die Allgemeinmedizin.
Wo möchtest du deinen individuellen Schwerpunkt setzen? FolgendeBerufsmöglichkeiten stehen zur Auswahl:
Fachärztin bzw. Facharzt für…
- Allgemeinmedizin (Innere und Allgemeinmedizin),
- Anästhesiologie,
- Anatomie,
- Arbeitsmedizin,
- Augenheilkunde (Ophthalmologie),
- Biochemie,
- Chirurgie,
- Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Gynäkologie),
- Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO),
- Haut- und Geschlechtskrankheiten,
- Humangenetik,
- Hygiene und Umweltmedizin,
- Innere Medizin,
- Kinder und Jugend-Medizin (Pädiatrie),
- Kinder und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
- Laboratoriumsmedizin (Klinische Chemie),
- Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie,
- Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie,
- Neurochirurgie,
- Neurologie,
- Öffentliches Gesundheitswesen,
- Onkologie,
- Pathologie,
- Pharmakologie (und Toxikologie),
- Physikalische und Rehabilitative Medizin,
- Physiologie,
- Psychiatrie und Psychotherapie,
- Psychosomatische Medizin,
- Radiologie,
- Rechtsmedizin,
- Strahlentherapie,
- Transfusionsmedizin,
- Urologie
Was du bei der Wahl deiner Ausbildungsstelle beachten solltest
Die Entscheidung für eine bestimmte Fachrichtung solltest du nach sorgfältiger Überlegung treffen. Immerhin wirst du in deiner Assistenzzeit jahrelang mit der gewählten Spezialisierung beschäftigt sein. Damit stellst du die Weichen für deine gesamte Karriere.
Trotzdem ist die Wahl deiner Fachrichtung nicht in Stein gemeißelt. In aller Regel kannst du sie verändern, wenn du merkst, dass deine Begeisterung doch in eine andere Richtung geht. Allerdings verlierst du dadurch Zeit, da du meistens nicht alles, was du bisher geleistet hast, auf deinen neuen Bereich anrechnen lassen kannst.
Ein Beispiel: Angenommen, du hast dich für den Bereich der Pathologie entschieden. Nach drei Jahren Weiterbildung in diesem Fachbereich merkst du allerdings, dass dein Herz eher für die Anatomie schlägt. Dann kannst du deine Spezialisierung wechseln. Allerdings wird dir aus den drei Jahren Pathologie nur ein einziges angerechnet. Die zwei fehlenden Jahre hängst du hinten an. Dafür erwartet dich ein Berufsleben als Facharzt in dem Bereich, der dich wirklich interessiert.
#1 Prüfe, ob eine Weiterbildungsermächtigung vorliegt
Wichtig ist, dass dein:e Chef:in über die nötige Weiterbildungsbefugnis verfügt. Andernfalls wird deine Arbeit nicht auf die Weiterbildung angerechnet. Diese Befugnis ist personen- und ortsgebunden.
#2 Berücksichtige dein Gehalt
Geld ist sicher nicht alles. Aber dich erwartet ein stressiger Berufsalltag, der dir Tag und Nacht dein ganzes Wissen und Können abverlangt. Das sollte sich in deinem Gehalt spiegeln. Ohne leistungsgerechte Bezahlung sinkt deine Motivation. Schau dir am besten im Vorfeld an, was du wo verdienen kannst. Dein Gehalt als Facharzt (w,m,d) richtet sich nach dem geltenden Tarifvertrag. Allerdings gibt es Unterschiede: An einer Uniklinik fällt dein Lohn anders aus als in einem Haus unter kirchlicher, kommunaler oder privater Trägerschaft.
#3 Arbeite nach dem Ausschlussverfahren
Du weißt noch nicht, in welche Richtung du als Fachärztin bzw. Facharzt gehen möchtest? Vielleicht fällt es dir leichter, dich gegen eine bestimmte Fachrichtung zu entscheiden. Kontakte zu Patient:innen sind nichts für dich? Mit dieser Feststellung fallen viele Fachrichtungen weg. Vielleicht ist eine Karriere in Forschung und Lehre für dich der richtige Weg. Die Facharztweiterbildung im Bereich Laboratoriumsmedizin beinhaltet nur ein Jahr in der Patientenversorgung. Den Rest der Zeit verbringst du mit Analysen im Labor.
Bist du auf der Suche nach einer Stelle, um deine Weiterbildung zum Facharzt zu absolvieren? Bei MEDWING findest du zahlreiche offene Stellenangebote in jedem Fachbereich in ganz Deutschland.


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