Notfallsanitäter:in – so ist die Ausbildung und das gehört zum Job

MEDWING
August 20, 2024

Finde heraus, ob der Beruf als Notfallsanitäter:in zu dir passt und erfahre alles zu Ausbildung, Gehalt usw.

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    Notfallsanitäter:innen spielen eine entscheidende Rolle im Rettungsdienst. In diesem Artikel beleuchten wir die Ausbildung, das Gehalt, das Berufsbild und die vielfältigen Aufgaben von Notfallsanitäter:innen umfassend. Erfahre, welche Zugangsvoraussetzungen und Qualifikationen erforderlich sind und was du sonst noch zu diesem spannenden Gesundheitsfachberuf wissen musst.

    Mit der Notfallsanitäter-Ausbildung erwirbst du im Rettungsdienst die höchste nicht-akademische medizinische Qualifikation. Für diesen Job brauchst du Stressresistenz. Bei einem Einsatzauftrag hast du höchstens 12 Minuten Zeit, um den Einsatzort zu erreichen. Das ist gesetzlich festgelegt.

    Du bist als Ersthelfer:in zur Stelle, wenn der Notruf in Deutschland rund 30.000 Mal pro Tag gewählt wird. Vor Ort leistest du Erste Hilfe und beurteilst den Zustand des Patienten. Notfallsanitäter:innen tragen eine erhebliche Verantwortung und müssen in herausfordernden Situationen einen klaren Kopf bewahren.

    In diesem Artikel erfährst du:

    • wie du dich als Rettungsassistent:in zur Notfallsanitäter:in bzw. zum Notfallsanitäter qualifizierst
    • was Notfallsanitäter:innen machen
    • welche Voraussetzungen du für den Beruf benötigst
    • wie die Ausbildung abläuft und aufgebaut ist
    • wo Notfallsanitäter:innen arbeiten
    • wie viel Gehalt du verdienen kannst
    • welche Weiterbildungsmöglichkeiten es für Notfallsanitäter:innen gibt
    • wie du dich als Notfallsanitäter:in bewirbst

    2014 wurde die ursprüngliche Rettungsassistenten-Ausbildung reformiert und erweitert. Seither gilt die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter bzw. Notfallsanitäterin.

    Eine neue Regelung ermöglicht es bestimmten Fachkräften, die bisher als Rettungsassistenten tätig waren, künftig die Bezeichnung Notfallsanitäter:in zu führen. Voraussetzung dafür ist das erfolgreiche Bestehen einer staatlichen Zusatzprüfung bis zum 31. Dezember 2023.

    Die Zusatzprüfung besteht aus drei mündlichen Abschnitten, die jeweils zwischen 10 und 15 Minuten dauern (insgesamt 30 bis 40 Minuten), sowie aus zwei praxisnahen Fallbeispielen.

    Das Hauptziel der Zusatzprüfung besteht darin sicherzustellen, dass die Prüfungsteilnehmer nicht nur die Anforderungen an einen Rettungsassistenten erfüllen, sondern auch den gestiegenen Anforderungen an einen Notfallsanitäter gerecht werden.

    Zusätzlich zur Zusatzprüfung müssen Rettungsassistent:innen, je nach ihrer Berufserfahrung, eine weitere Ausbildung absolvieren, bevor sie zur Prüfung zugelassen werden.

    Mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung können sie direkt zur staatlichen Zusatzprüfung antreten. Mit einer Berufserfahrung zwischen drei und fünf Jahren müssen eine zusätzliche Ausbildung von 480 Stunden absolvieren. Rettungsassistent:innen mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung benötigen eine zusätzliche Ausbildung von 960 Stunden.



    Was machen Notfallsanitäter:innen?

    Im Rettungswesen werden zwei Einsatzarten unterschieden: Primäreinsätze und Sekundäreinsätze. Primäreinsätze beziehen sich auf die Notfallrettung, bei der eine sofortige Versorgung von Personen am Unfallort erfolgt. Sekundäreinsätze hingegen beinhalten den Transport von Kranken und Verletzten zu medizinischen Einrichtungen.

    Als Notfallsanitäter:in leistest du Erste Hilfe bei medizinischen Notfällen und führst lebensrettende Maßnahmen durch. Geht ein Einsatzauftrag bei deiner Rettungswache ein, fährst du mit deinem Team so schnell wie möglich zum Einsatzort. Mit Blaulicht und Martinshorn macht ihr im Straßenverkehr auf euch aufmerksam.

    Du kümmerst dich um die medizinische Erstversorgung und Stabilisation. Den Zustand des Patienten beurteilst du anhand des ABCDE-Schemas (Prioritätenliste zur Untersuchung der Patienten).

    In dem Fall, dass ihr auf einen Notarzt warten müsst, übernimmst du die Versorgung des Patienten, bis der Arzt eintrifft. Du stillst zum Beispiel Blutungen und verabreichst Medikamente. Später assistierst du gegebenenfalls den Notärzt:innen und bereitest die Person auf den Transport vor.

    Bei Patiententransporten achtest du darauf, die Menschen möglichst schonend und schnell zum Transportfahrzeug und zum Zielort zu bringen. Oft werden die Kliniken von dir schon vorab informiert. Auf dem Weg ins Krankenhaus überwachst du die Körperfunktionen.

    Nach dem Einsatz reinigst und desinfizierst du das Fahrzeug. Auch dokumentarische Tätigkeiten gehören zu deinem Aufgabengebiet: Du erstellst Transportnachweise, schreibst Notfallprotokolle und verfasst Einsatzberichte.

    Zusätzlich zur Überprüfung des Rettungsfahrzeugs sind regelmäßige Kontrollen von Ausrüstung, Arzneimitteln und medizinischen Geräten erforderlich.

    Es ist wichtig, die Bestände an Medikamenten und Verbrauchsmaterialien zu überprüfen und bei Bedarf aufzufüllen. Des Weiteren obliegt dir die Aufgabe, sämtliche Geräte auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls auszutauschen.

    Auf der Rettungsleitstelle übernimmst du Telefondienste und nimmst Notrufe entgegen. Weiterhin koordinierst du die Fahrten der Einsatzkräfte

    Wie sind die Arbeitszeiten?

    Rettungsdienste müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Daher dominieren Schichtsysteme das Arbeitsleben von Notfallsanitäter:innen. Manchmal arbeitest du sogar in 24-Stunden-Schichten. Damit du ausreichend Erholungszeit hast, gibt es viele Ausgleichstage. Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil für das persönliche Leben. Dennoch solltest du dir auch der anstrengenden Arbeitsphasen bewusst sein.


    Notfallsanitäter


    Voraussetzungen für den Job als Notfallsanitäter:in

    Voraussetzung, um Notfallsanitäter:in werden zu können, ist ein Realschulabschluss (mittlere Reife) oder ein Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren. Außerdem musst du ein ärztliches Gesundheitszeugnis und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

    Manche Ausbildungsbetriebe verlangen einen Führerschein, bei anderen kannst du diesen im Rahmen der Ausbildung erwerben. Du solltest teamfähig und psychisch belastbar sein und über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen.

    Du benötigst zudem körperliche Fitness, denn du musst in der Lage sein, Patient:innen über mehrere Stockwerke zu tragen. Auch schlechte Witterungsverhältnisse und Schichtarbeit dürfen kein Problem für dich sein.

    Als Notfallsanitäter:in darfst du keinen Ekel vor Körperflüssigkeiten haben. Du musst mit emotionalen Situationen und manchmal mit Aggressionen umgehen können und dich nicht einschüchtern lassen.

    Notfallsanitäter-Ausbildung: Dauer, Ablauf und Inhalt

    Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist durch das Notfallsanitätergesetz geregelt. Du kannst sie auch in Teilzeit innerhalb von fünf Jahren absolvieren.

    Ausbildungsorte sind Berufsfachschulen, Lehrrettungswachen sowie verschiedene Abteilungen des Krankenhauses. In knapp 2.000 von den insgesamt 4.600 Stunden wird die Theorie vermittelt.

    Zum Theorieunterricht in der Berufsfachschule gehört u. a.:

    • Themenbereiche der schulischen Ausbildung für Notfallmediziner
    • Identifizierung, Erfassung und Beurteilung von akuten Notfällen
    • Rettungsdienstliche Interventionen
    • Kommunikation und Zusammenarbeit
    • Prozesse und Handlungsabläufe im Rettungsdienst
    • medizinische Diagnostik und Behandlung
    • lebenserhaltende Maßnahmen.
    • Qualitätsmanagement
    • Simulationsübungen

    In der praktischen Ausbildung werden die Themenfelder des theoretischen Unterrichts geübt. Dies geschieht durch die Tätigkeit in einer Rettungsstation, durch die Durchführung und Organisation von Einsätzen im Notfallrettungsdienst und Beobachtungszeiten in einer Rettungsleitstelle.

    Darüber hinaus ist die Teilnahme an mindestens 175 realen Einsätzen vorgeschrieben, von denen mindestens 50 in Zusammenarbeit mit einem Notarzt oder einer Notärztin stattfinden müssen.

    Ebenso musst du in verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses eine Mindestanzahl an Stunden absolvieren, um das theoretische Wissen in der Praxis zu vertiefen. Dazu gehören beispielsweise die Station für Patientenpflege, die Notaufnahme und die Abteilung für Intensivmedizin.

    Am Ende deiner Ausbildung steht die staatliche Prüfung. Diese setzt sich aus einem mündlichen, einem schriftlichen und einem praktischen Teil zusammen.

    Wo arbeiten Notfallsanitäter:innen?

    Notfallsanitäter:innen arbeiten hauptsächlich bei Rettungsdiensten, Krankentransportdiensten und bei der Feuerwehr. Weitere Arbeitsbereiche können Hilfsorganisationen und spezielle Gebiete wie die Luft-, Berg- Höhlen- oder Wasserrettung sein.


    Notfallsanitäterinnen mit Patient


    Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten

    Bachelor-Studiengänge sind zum Teil dual während der Ausbildung möglich. Dazu zählen Emergency Practitioner, Notfall-Pädagogik und Gesundheitspädagogik.Du kannst dich auch auf folgende Bereiche spezialisieren: Betriebssanitäter:in, Leiter:in der Rettungsstelle, Wachleiter:in im Rettungsdienst und Einsatzleiter:in.

    Nach deiner Ausbildung gibt es verschiedene Aufstiegsweiterbildungen. Du möchtest dein Wissen weitergeben? Dann kannst du Praxisanleiter:in werden. Weiterhin kannst du Ausbilder im Bereich Erste Hilfe werden.

    Falls es dich in die Wirtschaft zieht, ist eine Karriere als Betriebswirt:in für Management im Gesundheitswesen interessant. Deine anschließenden Einsatzgebiete sind Versorgungskliniken, Krankenhäuser und ambulante soziale Dienste.

    Gehalt von Notfallsanitäter:innen

    Nach Abschluss der Ausbildung verdienen Notfallsanitäter:innen je nach Arbeitgeber und Tarifbindung ein Grundgehalt, das durch verschiedene Faktoren wie Beschäftigungszeit, Berufserfahrung und Entgeltgruppenstufen beeinflusst wird.

    Es können zusätzliche Zulagen wie Funktionszulagen, Zeit- und Schichtzulagen sowie weitere Leistungen wie Jahressonderzahlungen und Beiträge zur Altersversorgung hinzukommen.

    Es gibt verschiedene Tarifverträge bzw. Arbeitsvertragsrichtlinien für Notfallsanitäter:innen. Zum Beispiel AVR-Caritas, AVR-Diakonie, AVR Johanniter, DRK-Reformtarifvertrag, TV-L (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder) und TVÖD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst).

    Das Jahresbrutto der genannten Tarifverträge beträgt nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit etwa zwischen 31.480 und 43.575 Euro, abhängig von der Arbeitszeit und Tarifvertrag, ohne Zulagen. Bei Arbeitgebern ohne Tarifbindung wird das Gehalt individuell im Arbeitsvertrag geregelt.

    Notfallsanitäter:innen bei der Bundeswehr werden in den Besoldungsgruppen A7-A9 plus Zulagen besoldet, während Berufsfeuerwehrleute eine Beamtenbesoldung erhalten, die je nach Bundesland variiert.

    Ausbildungsvergütung

    Notfallsanitäter:innen erhalten während ihrer Ausbildung gemäß § 15 NotSanG eine Ausbildungsvergütung. Das Ausbildungsgehalt unterscheidet sich von einem Bundesland zum anderen. Der Ausbildungsträger spielt ebenfalls eine Rolle.

    Laut Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD-BT-BBiG) sieht dein Gehalt folgendermaßen aus:

    • Ausbildungsjahr 1: 1.068 Euro brutto
    • Ausbildungsjahr 2: 1.118 Euro brutto
    • Ausbildungsjahr 3: 1.164 Euro brutto

    Es gibt auch andere Tarifverträge, wie zum Beispiel der Tarifvertrag der Malteser, der folgende Vergütungen vorsieht:

    • Lehrjahr 1: 1.190 Euro
    • Lehrjahr 2: 1.252 Euro
    • Lehrjahr 3: 1.353 Euro

    Bewerbung als Notfallsanitäter:in

    Der Rettungsdienst hat große Nachwuchsprobleme. Daher sind motivierte Bewerber:innen für die Ausbildung oder für offene Stellenangebote mehr als willkommen.

    Wenn du dich als Notfallsanitäter:in bewerben möchtest, gibt es einiges zu beachten:

    Vor der Bewerbungsphase musst du einen passenden Arbeitgeber auswählen. Nutze verschiedene Stellenportale und suche auch nach Synonymen wie Rettungsassistent oder Medizinische Rettungsfachkraft, um mehr Chancen zu haben.

    Beginne deine Bewerbung mit einem überzeugenden Anschreiben und einem gut strukturierten Lebenslauf. Achte darauf, dass beide fehlerfrei sind. Nimm dir Zeit, um alles sorgfältig zu überprüfen.

    Ein ansprechend gestaltetes Deckblatt (auch in der PDF-Version) mit persönlichen Angaben und Anlagenverzeichnis kann dich von anderen Bewerber:innen abheben und Platz im Lebenslauf sparen.

    Das Anschreiben sollte maximal eine DIN A4 Seite umfassen. Verdeutliche darin deine Motivation für den Beruf, deine Qualifikationen und beantworte, warum du Menschen helfen möchtest und warum du dich bei dieser Einrichtung bewirbst.

    Beende das Anschreiben freundlich und erwähne deine Bereitschaft für ein persönliches Vorstellungsgespräch. Achte darauf, das Anschreiben individuell auf das Unternehmen und die Stellenausschreibung anzupassen. Verwende klare und präzise Sprache.

    Der tabellarische Lebenslauf gibt einen Überblick über deine Ausbildung, Schulbildung, Berufserfahrung und relevante Hard Skills. Achte auf eine übersichtliche Struktur und halte den Lebenslauf auf ein bis zwei DIN A4 Seiten. Hobbys können zur Persönlichkeitsdarstellung integriert werden.

    Ein professionelles Bewerbungsfoto ist in Deutschland üblich, aber keine Pflicht. Verwende ein qualitativ hochwertiges Foto von einem Fotografen, um einen seriösen Eindruck zu hinterlassen.

    Füge zum Schluss Schulzeugnisse bei einer Ausbildungsbewerbung hinzu und überzeuge mit aussagekräftigen Arbeitszeugnissen nach deiner Lehre. Denke an relevante Zertifikate, Weiterbildungen, Praktikumszeugnisse und Auszeichnungen.

    Das Wichtigste in Kürze:

    • Abschluss: Notfallsanitäterin/Notfallsanitäter
    • Ausbildungsdauer: drei Jahre
    • Voraussetzungen: Realschulabschluss (mittlere Reife) oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, ärztliches Gesundheitszeugnis, polizeiliches Führungszeugnis
    • Spätere Arbeitsorte (Beispiele): Rettungs- und Krankentransportdienste, städtische Feuerwehren, Rettungswache
    • Einstiegsgehalt (durchschnittlich): bis zu 2.900 Euro brutto
    • Weiterbildungsmöglichkeiten u. a.: Praxisanleiter:in, medizinisch-pädagogisches Studium und Aufstiegsweiterbildung zur Lehrkraft an Rettungsdienstschulen, Betriebswirt:in für Management im Gesundheitswesen

    Friederike Bloch

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