Laut Statistischem Bundesamt gibt es 1.914 Krankenhäuser in Deutschland. 2019 waren rund 930.000 Vollzeitkräfte dort beschäftigt. Dazu kommen Teilzeitkräfte, geringfügig Beschäftigte und Praktikant:innen. Ärztinnen und Ärzte machen etwa ein Fünftel des Krankenhauspersonals aus. Wie du dich in der Krankenhaushierarchie hocharbeiten kannst, erfährst du hier.
Es gibt öffentliche, freigemeinnützige und private Krankenhäuser. Die Stellenbesetzung, interne Hierarchie und Aufstiegschancen sind aber in den meisten Kliniken ähnlich. Je höher du die Karriereleiter hinaufkletterst, desto größer wird auch deine Verantwortung. Deine operativen Tätigkeiten als Ärztin oder Arzt fallen hingegen geringer aus. Administrative Aufgaben nehmen mit deinem Aufstieg ins Management zu. In den Führungsjobs sind in erster Linie Männer anzutreffen. Wer Karriere machen möchte, verbringt 50 bis 60 Stunden auf Station und widmet sich nach Feierabend oft der Forschung. Dabei können Familie und Privatleben auf der Strecke bleiben.
Verteilung des Personals in deutschen Kliniken
Der überwiegende Anteil des Personals in Kliniken sind Pflegekräfte. Erst danach folgt, mit weitem Abstand, die Gruppe der Ärzt:innen:
- 37 % Pflegekräfte
- 18 % Ärzt:innen
- 17 % Medizinisch-technischer Dienst
- 12 % Funktionsdienst
- 7 % Verwaltung
- 9 % Sonstige (Hauspersonal, Wirtschafts- und Versorgungsdienste, Sicherheitsdienste u. a.)
Verteilung der Ärzteschaft in deutschen Krankenhäusern
Die überwiegende Mehrheit des ärztlichen Personals stellen mit 67 Prozent die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte dar. 23 Prozent sind als Oberärztinnen und Oberärzte beschäftigt. Acht Prozent sind leitende Ärztinnen und Ärzte bzw. Chefärztinnen oder Chefärzte. Die kleinste Gruppe bilden mit gerade einmal zwei Prozent die nichthauptamtlichen Ärzt:innen.
Deine Karriere im Krankenhaus beginnt in der Regel mit der Famulatur. Über die Jahre kannst du dich von der Praktikantin bzw. dem Praktikanten bis zur Chefärztin bzw. zum Chefarzt hocharbeiten, wenn eine Karriere in der Klinik dein Ziel ist.
Die 8 Karrierestufen für Ärzt:innen
Auf deinem Weg nach oben durchläufst du verschiedene Stationen. Es ist nicht möglich, eine Stufe zu überspringen.
#1 Studierende in der Famulatur
Deine Laufbahn als Ärztin oder Arzt beginnt mit einem sechsjährigen Medizinstudium. Mindestens eine Famulatur – ein viermonatiges Praktikum – verbringst du in einer Klinik. Das verschafft dir einen Einblick in deine zukünftige Arbeit im Krankenhaus und ermöglicht dir erste Patientenkontakte.
Voraussetzungen für die Famulatur:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) mit einem Notendurchschnitt von 1,0 bis 1,2angefangenes Medizinstudium
#2 Studierende im Praktischen Jahr (PJ)
Beim praktischen Jahr handelt es sich um das letzte Jahr deiner universitären Ausbildung. Es endet mit der mündlichen Prüfung des zweiten Staatsexamens. Während des PJ setzt du deine theoretischen Kenntnisse praktisch ein. Dabei erwirbst du wichtige Kernkompetenzen in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie und Allgemeinmedizin sowie im Umgang mit Patient:innen.
Voraussetzungen für das PJ:
- Bestehen des ersten Abschnitts der ärztlichen Prüfung
- Bestehen der Leistungsnachweise im klinischen Studienabschnitt (Klinik)
- Bestehen des zweiten Abschnitts der ärztlichen Prüfung
#3 Assistenzärztinnen und Assistenzärzte
Als Assistenzärzt:in befindest du dich in Weiterbildung. Fünf bis sechs Jahre bilden dich Ober- und Chefärzt:innen in deinem ausgewählten Fachbereich aus. Von Augenheilkunde über Chirurgie bis zu Urologie stehen dir 34 Fachbereiche zur Spezialisierung offen.
In der Regel erledigen Assistenzärzt:innen die Stationsarbeit unter fachärztlicher Aufsicht. Zu deinen typischen Tätigkeiten gehören Visiten, Gespräche mit Patient:innen und Angehörigen, die Verschreibung von Medikamenten, Blutentnahmen und die Aufnahme von neuen Patient:innen.
Voraussetzungen für die Position als Assistenzärztin oder -arzt:
- Abgeschlossenes und bestandenes Medizinstudium
- Approbation
#4 Fachärztinnen und Fachärzte
Wenn du nach fünf bis sechs Jahren Weiterbildung die Facharztprüfung vor der zuständigen Landesärztekammer bestanden hast, erreichst du die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Mit dem Facharzttitel erhältst du ein höheres Gehalt. Gleichzeitig wächst deine Verantwortung. In der Klinik nimmst du beispielsweise die Position des Stationsarztes ein.
Der Facharzttitel ist die Voraussetzung für deine Zulassung als Vertragsärztin oder -arzt bei den gesetzlichen Krankenkassen. Außerdem brauchst du diese Ausbildung, wenn du in der Krankenhaushierarchie weiter aufsteigen möchtest.
Voraussetzung für die Karriere als Fachärztin oder -arzt:
- Abgeschlossene und bestandene Facharztprüfung
#5 Oberärztinnen und Oberärzte
Als Oberärztin bzw. Oberarzt bekleidest du in der Ärztehierarchie eine Führungsposition. Im Prinzip könntest du dich direkt nach dem Ende deiner Facharztausbildung auf eine Oberarztstelle bewerben. Die meisten Mediziner:innen sammeln jedoch erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung, bevor sie den Sprung wagen.
Du übernimmst mit einer Stelle als Oberärztin oder Oberarzt die fachliche Aufsicht über die Fachärzt:innen und bildest Assistenzärzt:innen aus. Außerdem führst du komplexe Operationen und Behandlungen durch.
Eine Habilitation ist kein Muss. Nur an Unikliniken wird diese als Hard Skill bei Oberärzt:innen vorausgesetzt. Das Gehalt wird teilweise außertariflich vereinbart, was zu Jahresgehältern zwischen 120.000 bis 150.000 Euro brutto führen kann.
Voraussetzungen für die Karriere als Oberärztin oder -arzt:
- Berufserfahrung
- Fortbildungen
- Erfahrung in Forschung und Lehre
- Kommunikationsstärke
- wirtschaftliches Denken
#6 Leitende Oberärztinnen bzw. leitende Oberärzte
In dieser Position vertrittst du die Chefärztin bzw. den Chefarzt der Klinik. Die Funktion des „Leitenden Arztes“ kann komplett auf dich übertragen werden, sodass du als ständige:r Vertreter:in fungierst. Zu deinen Tätigkeiten gehört dann unter anderem die Organisation und Koordination des Bereitschaftsdienstes und der Rufbereitschaft.
#7 Chefärztinnen und Chefärzte
Chefärz:tinnen stehen ganz oben in der Ärztehierarchie in Krankenhäusern. Sie übernehmen die Führung des Fachgebiets, auf das sie sich in ihrer Facharztweiterbildung spezialisiert haben.
Du bist in dieser Position vor allem dafür zuständig, die wirtschaftliche Arbeitsweise deiner Station sicherzustellen. Du koordinierst die Arbeit der Oberärzt:innen. Bei Chefarztvisiten berätst du medizinisches Fachpersonal zu Diagnostik und Therapie der Patient:innen. Außerdem fällt die Weiterbildung der angehenden Fachärzt:innen in deinen Aufgabenbereich.
Voraussetzungen für die Karriere als Chefärztin oder -arzt:
- Langjährige Berufserfahrung
- Erfahrung als (Leitende:r) Oberärztin bzw. Oberarzt
#8 Ärztliche Direktor:innen
Als ärztliche Direktorin bzw. ärztlicher Direktor leitest du gemeinsam mit einer leitenden Pflegefachkraft und einer Geschäftsführung das Krankenhaus. Wenn du in einem großen Haus tätig bist, nimmt das Management deine gesamte Zeit in Anspruch. Als Ärztin oder Arzt arbeitest du kaum noch oder überhaupt nicht mehr.
Karriere als Belegärztin bzw. Belegarzt
Diese Gruppe steht außerhalb der Klinikhierarchie. Belegärzt:innen sind niedergelassene Ärzt:innen, die nicht in der Klinik angestellt sind. Dementsprechend beziehen sie kein Gehalt. Sie behandeln lediglich ihre Patient:innen in der Einrichtung und nutzen dafür die Infrastruktur des Krankenhauses. Für eine teilstationäre oder stationäre Unterbringung steht eine gewisse Anzahl an Belegbetten bereit. Dafür entrichten Belegärzt:innen einen gewissen Betrag an die Klinik. Häufig handelt es sich um Ärzt:innen mit den Fachbereichen Urologie, Gynäkologie, HNO, Gesichtschirurgie sowie Augenheilkunde.
Voraussetzungen für die Position als Belegärztin oder -arzt:
- Einverständnis der Krankenhausleitung
- Abgeschlossene Facharztausbildung mit Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung
Wenn du im Krankenhaus Karriere als Ärztin bzw. Arzt machen möchtest, brauchst du einen langen Atem. Es kommt im medizinischen Bereich vor allem darauf an, wo du hin möchtest. Wenn es dich ins Management zieht, ist ein Aufstieg innerhalb des Krankenhauses die richtige Wahl. Vielleicht möchtest du dich aber vor allem medizinisch weiterentwickeln. Dann endet dein Weg möglicherweise als Fachärztin bzw. Facharzt oder Oberärztin bzw. Oberarzt.


%20(1).png)




.png)