Tiere haben einen positiven Einfluss auf die Psyche des Menschen, das wissen wir längst. Laut einem Birdwatching-Projekt in bayerischen Pflegeheimen ist Vogelbeobachtung besonders effektiv, wenn es darum geht dem Verlust von Lebensqualität entgegenzuwirken. Einblicke in das Präventionsprogramm „Alle Vögel sind schon da“.
Das erfährst du gleich
- Die Vogelbeobachtung hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden von Menschen
- Mit dem Einzug ins Pflegeheim endete diese Begegnung mit der Natur allerdings meist abrupt
- Das Präventionsprojekt „Alle Vögel sind schon da“ in Bayern soll diesem Verlust nun entgegenwirken, indem es Vogelbeobachtungsstationen in Einrichtungen aufstellt
Zieht ein Mensch in ein Pflegeheim, endet häufig oft der Kontakt zu Natur und Tieren. Nicht ohne Grund rückt das Thema „Haustier“ in Pflegeheimen und Einrichtungen immer mehr in den Fokus. Das Streicheln und das Spielen mit den flauschigen Vierbeinern fördert den Sozialkontakt, soll die Mobilität und die geistige Fitness fördern. Mehr noch als der Kontakt zu Haustieren soll allerdings die Vogelbeobachtung (Birdwatching) die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, so behauptet ein Projekt in Bayern. Gerade ältere Menschen würden sich an Amsel, Meise und Spatzen besonders erfreuen. Mit dem Einzug ins Pflegeheim endet dieses Schauspiel am Fenster allerdings meist abrupt, den Bewohnern fehlt zunehmend die Begegnung mit der Natur. Diesem Verlust will nun ein Vorsorgeprojekte „Alle Vögel sind schon da“ entgegenwirken. Seit anderthalb Jahren ist diese Präventionsmaßnahme bereits in über 40 Pflegeheimen aktiv und stellt mithilfe von Vogelbeobachtungsstationen den Kontakt zur Natur her. Die Stationen ermöglichen das Beobachten von wild lebenden Vögeln in ihrer natürlichen Umgebung. Das Birdwatching-Projekt aus Bayern ist das weltweit erste Vorsorgeprojekt, das einen Naturbezug über die Vogelbeobachtung für Senioren in Pflegeheimen herstellt. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll sich die Vorsorgemaßnahme vor allem auf drei gesundheitliche Bereiche auswirken: die psychosoziale Gesundheit, die mentale Leistungsfähigkeit und die körperliche Aktivität.
Der Blick auf Amsel, Spatz und Co. verbessert die psychosoziale Gesundheit
Nach den ersten Testläufen konnte die Studie bereits nachweisen, dass sich die Möglichkeit zur Vogelbeobachtung positiv auf die psychosoziale Gesundheit der Heimbewohner auswirkt. Ein Blick in den 33-seitigen Zwischenbericht beweist: „Durch das Angebot der Vogelbeobachtung, der Anregung zur Bewegung und zum Nachdenken über die beobachteten Vögel kann das soziale Wohlbefinden direkt gesteigert werden.“ Dabei sei zudem die mentale Leistungsfähigkeit der Bewohner gestärkt worden. Auch bestätigen die Experten, dass die Vogelbeobachtung das Potenzial hat, Menschen gesünder und glücklicher zu machen. Zwar könnten endgültige Aussagen erst nach Ende der Studie in 2020 getroffen werden, aber die Forscher sind sich sicher, dass die Vogelbeobachtung gerade deshalb ihre Wirkung so gut entfalte, weil die wild lebenden Tiere auf freiwilliger Basis eine kurze Bindung zu Menschen eingehen. Obwohl das bayerische Projekt erst seit wenigen Monaten am Start ist, hat es jetzt schon bundesweiten Vorbildcharakter. Dabei erfreut sich das Präventionsprogramm „Alle Vögel sind schon da“ prominenter Schirmherrschaft, die von der Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml übernommen wird. Projektpartner sind neben der Uni Eichstätt-Ingolstadt die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bayern e. V. (ANU) sowie der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. Finanziert wird das Projekt von verschiedenen Pflegekassen.
Wohlbefinden durch Vogelbeobachtung
Von Natur aus strahlen die kleinen gefiederten Wesen etwas Magisches aus. Als Botschafter der Natur verbinden wir mit ihnen Freiheit und Leichtigkeit, weshalb es für viele Menschen ein besonderer Moment ist, wenn sie durch die Vogelbeobachtung eine Verbindung zu dieser Freiheit aufbauen können. Insgesamt steht das Birdwatching seit vielen Jahren hoch im Kurs. So gibt es beispielsweise bereits Reiseunternehmen, die Trips in die unterschiedlichsten Länder anbieten, um von dort Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Dieses Beobachten und Zurückkehren in die Natur lässt uns entspannen und reduziert nachweislich unseren Stresslevel. Dass unsereins hierzu keine weiten Reisen unternehmen muss, weiß wohl jeder, der schon mal entzückt am Fenster gesessen hat und sich an den kleinen Gästen in den Ästen oder am Vogelhäuschen erfreut hat. Mit dem Projekt „Alle Vögel sind schon da“ soll diese wertvolle Begegnung mit der Natur wieder geschaffen werden. Dass die Heimbewohner durch die Vogelstationen auch eine neue Aufgabe haben, bei der sie Verantwortung übernehmen können, ist ein zusätzliches Plus. Schließlich muss irgendjemand dafür sorgen, dass die Futterstationen im Innenhof oder im Garten regelmäßig aufgefüllt werden. Das bedeutet, die Bewohner müssen sich aktiv in die Natur begeben und werden so motiviert, Erkundungen auf eigene Faust zu unternehmen. Zudem fördert das Projekt das Miteinander, regt die Kommunikation an und hilft den Bewohnerinnen und Bewohnern Gespräche zu beginnen und Beziehungen zu pflegen. Das Beobachten der Tiere und das Analysieren der Arten fördert zudem den Geist, beispielsweise wenn sich die Bewohner über die Eigenarten der unterschiedlichen Vogelarten austauschen. Darüber hinaus spricht es unterschiedliche Sinne der Bewohner an, die vor allem im Alter nicht vernachlässigt werden sollen, um weiterhin aktiv am Leben teilzuhaben.
Mehr Vögel, weniger Depressionen – britische Vorgängerstudie untermauert die Annahme
Dass es einen Zusammenhang zwischen der Begegnung mit Vögeln in freier Natur und psychischen Erkrankungen beim Menschen gibt, konnte bereits vor rund zwei Jahren in einer britischen Studie bewiesen werden. Bei diesem Projekt wurden städtische Wohnquartiere genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Je weniger Vögel in einem Wohnquartier waren, umso mehr Menschen erkrankten an Depressionen, Angststörungen und Stress. Stell dir einfach einen Morgen ohne Vogelzwitschern vor. Komisch, oder?
Teilnahme am Projekt und Leistungen
Bislang können sich bayernweit vollstationäre Pflegeeinrichtungen um die Teilnahme am Präventionsprojekt bewerben. Hierbei ist die aktive Beteiligung der Bewohner, Pflegekräfte und Einrichtungsleitung entscheidend für den Erfolg der Maßnahme. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bestimmung eines Ansprechpartners, der im Anschluss als „Vogelbeauftragter“ für den Erhalt und die Pflege der Vogelbeobachtungsstation zuständig ist. Darüber hinaus wird der Vogelbeauftragte von einem durch die Einrichtung gegründetem Team (bestehend aus Bewohnern und Pflegekräften) unterstützt. Außerdem braucht es eine Möglichkeit zum Aufstellen einer Vogelbeobachtungstation, die von möglichst vielen Bewohnern aus dem Haus beobachtet werden kann. Wünschenswert wäre auch die Möglichkeit für den Aufbau einer zweiten Futterstation, beispielsweise auf der Terrasse oder im Garten, sodass der Besuch der Vögel mit einem Spaziergang in die Natur verbunden werden kann. Weitere Voraussetzung ist die Bereitschaft der Einrichtung, an den wissenschaftlichen Befragung teilzunehmen und diese in der Einrichtung zu koordinieren. Bei erfolgreicher Bewerbung können sich die Einrichtungen über folgende Leistungen und Einzelmaßnahmen freuen:
- Auftaktveranstaltung für Bewohner interessierte Angehörige und Pflegekräfte zum Thema Vogelbeobachtung und Vogelfütterung
- Beratung beim Aufstellen der Vogelfutterstationen
- Bereitstellung von leicht verständlichem, anschaulichem Informationsmaterial zur Bestimmung von Vögeln
- Unterstützung der Einrichtungen bei der internen Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise durch Bereitstellung von Materialien für die Webseite der Einrichtung
- Eine Vogelfutterstation und ein Starterpaket Futter.
Mehr Informationen zum Projekt findest du unter https://www.lbv.de/umweltbildung/fuer-seniorenheime/
Sabrina Lieb


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