Auch nach zwei Jahren Pandemie ist Corona noch ein großes Thema und weiterhin nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz: Um diese Jahreszeit ist auch die klassische Erkältung wieder auf dem Vormarsch. Eine laufende Nase und Halskratzen sind bei vielen von uns gerade an der Tagesordnung. Als Pflegekraft, medizinischer Fachangestellter oder Ärztin bist du berufsbedingt noch mehr Bazillen ausgesetzt. Auch die Arbeit im Schichtdienst kann dein Immunsystem beanspruchen. Doch nicht alles, was wir über das Thema Erkältungen gelernt haben, entspricht nach heutigem Kenntnisstand der Wahrheit. Wir klären die gängigsten Erkältungsmythen auf.
Die letzten warmen Sommertage sind vorbei und dass der Herbst da ist, lässt sich nicht mehr leugnen. Nicht nur wegen der schönen bunten Blätter an den Bäumen, sondern auch wegen einer unschönen Begleiterscheinung: Erkältungsviren, die unser Immunsystem nach den luftig-leichten Sommermonaten auf die Probe stellen.
Wenn du gerade mit Schniefnase und einer Tasse Tee im Bett liegst und dich fragst: Was darf ich und was lass ich besser bleiben?, haben wir jetzt die richtigen Antworten und den Faktencheck für Erkältungsmythen für dich parat.
#1 Erkältung kommt durch Kälte
„Zieh dich warm an, sonst holst du dir was weg.“ Wollen wir wetten, dass deine Eltern dir diesen Satz früher mehr als ein Mal nachgerufen haben? Alle, die sich deshalb auch heute noch im Herbst und Winter mit schlechtem Gewissen ohne Unterhemd aus dem Haus schleichen, können wir jetzt beruhigen. Denn mit Kälte hat die Entstehung einer Erkältung nur bedingt zu tun. Krank werden wir ausschließlich durch entsprechende Viren, nicht aber durch die Kälte an sich.
Was an dem Mythos allerdings stimmt, ist, dass Kälte die Entstehung von Erkältungsviren begünstigt. Immerhin 200 dieser Viren gibt es – rund 40 Prozent aller Infektionen sollen durch die sogenannten Rhinoviren hervorgerufen werden. Und diese können bei kaltem, nassem Wetter besser überleben und haben in der kalten Jahreszeit optimale Chancen, unser Immunsystem außer Gefecht zu setzen. Denn unsere Schleimhäute trocknen durch Kälte und Heizungsluft aus und wir halten uns viel zu oft in schlecht belüfteten Räumen auf, in denen sich die Keime schnell vermehren können. Wir werden also nicht krank, weil wir zu dünn angezogen sind, sondern weil es in Herbst und Winter einfach viel mehr schädliche Viren gibt und die Bedingungen, unser Immunsystem zu schwächen, günstiger sind.
#2 In der Sauna kann man einen Infekt ausschwitzen
Wärme soll ja bei Erkältungen bekanntlich gut sein. Warum also dann nicht bei einem akuten Infekt den lästigen Viren beim Saunieren den Garaus machen? Generell gilt, dass regelmäßige Saunabesuche das Immunsystem stark gegenüber Infekten machen können. Ein gutes Training also, bevor die Erkältungszeit ansteht. Hat es einen erwischt, sollte man hingegen dringend davon absehen, sich den hohen Temperaturen in der Sauna auszusetzen. Denn in der heißen Luft vermehren sich die Keime nicht nur viel schneller, sondern sie schwächt auch die eh schon angeschlagene Immunabwehr. Dies kann den grippalen Infekt im schlimmsten Fall noch verschlechtern. Bei einer Erkältung gilt also: Dick einpacken, ja, ausziehen in der Sauna, nein.
#3 Warmes Bier hilft bei einem grippalen Infekt
An sich ist Bier aufgrund seiner ätherischen Bitterstoffe, die antibakteriell und schlaffördernd wirken, tatsächlich keine schlechte Wahl bei Erkältungen. Aber freu dich nicht zu früh, wir müssen dich leider enttäuschen. Denn liegt man mit einem grippalen Infekt flach, sollte man die Hände von Alkohol lassen, da dieser dem Körper Wasser entzieht, was bei einer Erkältung kontraproduktiv ist. Greife stattdessen also besser zu alkoholfreiem Bier, das du leicht erhitzt. Aber bitte nicht über 40 Grad, damit die wirksamen Stoffe nicht abgetötet werden. Und dann: Prost!

#4 Regelmäßiges Naseputzen entfernt Krankheitserreger
Taschentücher in greifbarer Nähe sind bei einem grippalen Infekt fester Bestandteil des Krankenlagers, um lästigen Schleim aus der Nase zu befördern. Doch was in unseren Breitengraden als eklig empfunden und mit schlechten Manieren in Verbindung gebracht wird, würde unserem Körper eigentlich viel besser tun. Für deine Gesundheit solltest du genau das Gegenteil machen und den Schleim hochziehen, anstatt ihn raus zu schnäuzen. Denn wer Schleim aus der Nase in ein Taschentuch schnupft, erzeugt einen Unterdruck, der dazu führen kann, dass die Erreger auch in Nasenneben- und Stirnhöhlen oder ins Mittelohr gelangen und dort zu weiteren langwierigen und schmerzhaften Entzündungen führen. Wer hingegen den Schleim hochzieht, befördert ihn direkt in den Rachen und von dort aus in den Magen, wo die Magensäure ihn umgehend zersetzt. Wir finden: Gewöhnungsbedürftig, aber der Gesundheit zuliebe dennoch einen Versuch wert.
#5 Vitamin C kann die Dauer einer Erkältung verkürzen
Bemerken wir die ersten Anzeichen einer Erkältung, greifen wir schnell zu frisch gepresstem O-Saft oder Ingwershots. Schließlich haben wir gelernt, dass eine hohe Menge Vitamin C eine Erkältung stoppen oder sich zumindest positiv auf deren Dauer auswirken kann. Dass diese Annahme aber ein Mythos ist, belegt unter anderem eine Meta-Analyse zahlreicher Studien, veröffentlicht in der „Cochrane Library“. Demnach sind Vitamine zwar wichtig für das Immunsystem und können den Organismus dabei unterstützen, seine Abwehrkräfte zu stärken. Einen grippalen Infekt stoppen oder schneller wieder gesund werden, kann man durch einen Vitamin C-Booster jedoch nicht. Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler:innen in ihrer Zusammenfassung der Analyse. Aber: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen ist so oder so immer empfehlenswert und kann sich auf das gesamte Wohlbefinden des Körpers positiv auswirken.

#6 Wer erkältet ist, gehört ins Bett
Grundsätzlich gilt im Falle eines grippalen Infekts, dass wir uns möglichst schonen sollten, um den Körper beim Gesundwerden zu unterstützen. Bedeutet: Einfach mal einen Gang runterfahren, entspannt ein Buch lesen, schlafen oder eine Serie gucken.
Wer krank ist, muss aber nicht zwingend das Bett hüten. Bei Erkältungen, die nicht mit Fieber einhergehen, kann es sogar förderlich sein, regelmäßig einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Dadurch kommt nicht nur der Kreislauf in Schwung, der wiederum das Immunsystem anregt, sondern die Frischluft tut auch unseren Schleimhäuten richtig gut. Alternativ kann man sogar ein leichtes Workout in abgeschwächter Form absolvieren. Ja, richtig gelesen, selbst ein bisschen Sport ist drin, aber nur, wenn man nicht an sein Leistungsniveau geht und gut auf seinen Körper hört. Dabei kannst du dich an der sogenannten „Neck Rule“ orientieren. Bedeutet: Wer ausschließlich Symptome oberhalb des Halses (Kopf- und leichte Halsschmerzen, laufende Nase, Niesen) hat, kann ein moderates (!) Training absolvieren, das aber in seiner Intensität maximal 50 Prozent des gewohnten Leistungsniveaus entspricht. Wer es übertreibt, riskiert zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung. Bei Symptomen unterhalb des Halses, wie Fieber, Husten oder Durchfall sollte man hingegen keinen Sport treiben.
#7 Ein heißes Bad nehmen
Bahnt sich eine Erkältung erst an, kann ein wärmendes Bad für ein wohlig-warmes Gefühl sorgen und die Schleimhäute durchbluten. Wenn es dich bereits voll erwischt hat, ist ein Wannenbad aber tabu. Denn die Wärme kann dein Immunsystem zusätzlich belasten und die Genesung verzögern. Pack dich also lieber warm ein und kuschel dich ins Bett.
Liegst du mit einer Erkältung flach, solltest du alles dafür tun, um dein Immunsystem beim Kampf gegen die Viren zu unterstützen. Schließlich leistet es gerade Höchstarbeit, damit du schnell wieder fit bist. Viele Pflegekräfte gehen krank zur Arbeit, dies solltest du aber auf keinen Fall tun. Gönne dir Ruhe, trinke viel und habe Geduld. Schließlich ist nach rund neun Tagen der Erkältungs-Spuk laut einem alten Sprichwort („Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie“) wieder vorbei.
Katharina Klein


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