Erfahre hier, was den Beruf des Heilerziehungspflegers ausmacht, wie du Heilerziehungspfleger:in wirst und wie viel Gehalt du damit verdienst.
Die Heilerziehungspflege gehört zu den pädagogischen Berufen. Du unterstützt Menschen mit Behinderung bei der Bewältigung ihres Alltags. Du hilfst sowohl im pädagogischen und lebenspraktischen Bereich als auch in der pflegerischen Betreuung.
In diesem Artikel verraten wir dir…
- was Heilerziehungspfleger:innen machen
- welche Voraussetzungen du für den Beruf benötigst
- wie die Ausbildung abläuft und aufgebaut ist
- wo Heilerziehungspfleger:innen arbeiten
- wie viel Gehalt man in der Heilerziehungspflege verdient
- welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt
Deine Aufgaben als Heilerziehungspfleger:in
Als Heilerziehungspfleger:in betreust du Menschen mit geistigen, körperlichen und/oder seelischen Behinderungen aller Altersgruppen.
Dein Alltag richtet sich danach, was deine Schützlinge brauchen und nach ihrem Grad der Behinderung. Du förderst ihre individuellen Fähigkeiten sowie ihre Eigenständigkeit und motivierst sie, ihr Leben zu gestalten. Beispielsweise regst du zu Freizeitaktivitäten an und organisierst Unternehmungen. Auch die schulische und berufliche Inklusion fallen in deinen Verantwortungsbereich.
Wenn die Menschen Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, beim Ankleiden oder Körperpflege brauchen, bist du pflegerisch zur Stelle. Du begleitest sie auch beim Einkaufen, unterstützt sie bei der Nahrungszubereitung und bei täglichen Herausforderungen.
Weiterhin gehören verwaltungstechnische Arbeiten und das Erstellen von Förderplänen zu deinen Aufgaben als Heilerziehungspfleger:in. Bei letzterem arbeitest du in enger Absprache mit Pflegefachkräften und mit den Angehörigen.
Heilerziehungspfleger:in werden: Voraussetzungen
Für den Beruf der Heilerziehungspflegerin bzw. des Heilerziehungspflegers ist ein Realschulabschluss (mittlere Reife) in Verbindung mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung Pflicht. Alternativ kommen ein Realschulabschluss und mehrere Jahre Berufstätigkeit in einem relevanten Bereich in Frage.
Mit Abitur oder Fachabitur ist der Zugang ebenfalls in Verbindung mit einer mehrmonatigen praktischen Tätigkeit in einem passenden Berufsfeld möglich. In den Bundesländern bestehen unterschiedliche Regelungen.
Die Fachschulen haben eigene Kriterien, nach denen sie Bewerber:innen auswählen. Teilweise steht dir ein Eignungstest bevor. Entscheidend sind neben deinen einschlägigen praktischen Erfahrungen deine kommunikativen, sozialen und künstlerischen Fähigkeiten.
Wichtige Eigenschaften und soziale Kompetenzen sind:
- Spaß an der Arbeit mit Menschen
- Kommunikationstalent
- Konfliktfähigkeit
- Einfühlungsvermögen
- Verantwortungsbewusstsein
- Beobachtungsgabe
- Psychische Stabilität und Belastbarkeit
- Geduld
- Kreativität und Flexibilität
- künstlerisches Interesse
- Teamfähigkeit
Das lernst du in der Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger:in und so läuft sie ab
Die Heilerziehungspfleger-Ausbildung ist in Deutschland landesrechtlich geregelt. Du kannst sie an einer der gut 200 Fachschulen für Heilerziehungspflege absolvieren. Sie dauert drei bis fünf Jahre, je nachdem ob du sie in Vollzeit oder Teilzeit absolvierst.
Bei der Vollzeitausbildung erwirbst du deine theoretischen Kenntnisse innerhalb von drei Jahren an der Berufsfachschule. Zusätzlich sammelst du Erfahrung in mehrwöchigen Praktika.
Bei der praxisintegrierten Ausbildung besuchst du meist zweimal wöchentlich die Schule und arbeitest den Rest der Zeit in deinem Ausbildungsbetrieb.
In der Schule werden theoretische Kenntnisse der Heilerziehung vermittelt. Dazu gehören die Fächer Gesundheit und Pflege, Psychiatrie, Organisation, Recht und Verwaltung. Zusätzlich werden die allgemeinbildenden Fächer Deutsch und Religion/ Ethik vermittelt.
Die heilerzieherischen Schwerpunkte liegen bei der Ausbildung auf kreativen, musischen Fächern wie Kunst, Musik und Werken. Einen zweiten Schwerpunkt bildet der sprachliche Bereich: Hier geht es um Sprachförderung und Gesprächsführung. Dazu kommen gesundheits- und bewegungsorientierte Inhalte, bei denen es um Motorik und hauswirtschaftliche Tätigkeiten geht.

Ausbildungsinhalte sind u. a.:
- Erziehung
- Heilpädagogik
- Pflege
- Psychologie
- Didaktik
- Soziologie/Sozialkunde
- Logopädie
- Medizin
- Musikerziehung/Rhythmik
- Gestaltungserziehung
- Psychomotorik
- Praxis- und Methodenlehre
- Sport- und Bewegungserziehung
- Werken
- Kunst
- Spiel
- Recht und Verwaltung
- Qualitätsmanagement
Deine praktische Ausbildung machst du im Rahmen eines außerschulischen Berufspraktikums in einer stationären, teilstationären oder ambulanten Einrichtung. Das gibt dir die Gelegenheit, das Gelernte anzuwenden.
Ergänzend finden innerhalb des Berufsschulunterrichts Praxisprojekte statt. Das kann die Organisation einer Veranstaltung für Menschen mit Behinderung sein, eine Weihnachtsfeier im heilpädagogischen Kindergarten oder ein gemeinsamer Ausflug mit Bewohnerinnen und Bewohnern eines Heims für geistig behinderte Menschen.
Die Berufsausbildung endet mit einer Abschlussprüfung. Sie unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Meist legst du eine schriftliche, eine mündliche und eine praktische Prüfung ab.
Nach Abschluss deiner Ausbildung trägst du den Titel „Staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin“ bzw. „Staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger“.
Umschulung in der Heilerziehungspflege
Manche Menschen entscheiden sich erst später im Leben für die Heilerziehungspflege. Eine Umschulung ermöglicht den Einstieg in den Beruf für alle Altersklassen. Die Qualifizierung läuft dabei ähnlich wie die Ausbildung ab und dauert auch 24 bis 36 Monate. Teilweise ist die Umschulung als Fernlehrgang bzw. Fernstudium möglich.
Die Umschulung kann unter Umständen durch einen Bildungsgutschein von der Bundesagentur für Arbeit, ein Umschulungsgeld oder andere Zuschüsse gefördert werden.

Arbeitsorte von Heilerziehungspfleger:innen
Wenn du die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hast, kannst du auf Jobsuche gehen.
Beschäftigung finden Heilerziehungspfleger:innen u. a.:
- in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen
- in Einrichtungen des Sozial- und Pflegewesens
- bei ambulanten Diensten
- in Tagesstätten
- in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen
- in Einrichtungen der Sozialpsychiatrie
- in Kindertageseinrichtungen und integrativen Kindergärten
- an (inklusiven) Schulen
- Beim Familienunterstützenden Dienst (FuD)
- an Förderschulen
- in psychiatrischen Kliniken und Einrichtungen
- in der Kinder- und Jugendhilfe
- in Hospizen
- in therapeutischen Wohngemeinschaften
So viel Gehalt verdienst du als Heilerziehungspfleger:in
Wie viel Geld du mit deinem Job in der Heilerziehungspflege verdienst, hängt von deinem Arbeitsort und weiteren Faktoren ab. Bist du bei einer öffentlichen bzw. kommunalen Einrichtung angestellt, wirst du nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes Sozial- und Erziehungsdienst (TVöD SuE) vergütet. Ist dies der Fall, verdienst du meist etwas mehr als in privaten Unternehmen.
Auch in kirchlichen Einrichtungen wie der Caritas, Diakonie oder dem paritätischen Wohlfahrtsverband kannst du gut verdienen. Dort gelten die Arbeitervertragsrichtlinien (AVR).
Laut Gehalt.de verdient die Hälfte der Heilerziehungspfleger:innen in Deutschland zwischen 3.822 und 4.691 Euro brutto pro Monat. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt das Median-Gehalt für den Beruf mit 3.689 Euro an.
Im Westen Deutschlands verdienen Heilerziehungspfleger:innen teilweise deutlich mehr als im Osten.
Einstiegsgehalt
Gilt der TVÖD SuE, wirst du anfänglich in der Gruppe S8a Stufe 1 einsortiert. Dann liegt dein Einstiegsgehalt bei knapp 3.000 Euro brutto im Monat. Mit steigender Anzahl an Arbeitsjahren steigt dein Verdienst.
Wenn du bei der Diakonie als arbeitest (ausgenommen Nassau, Tarifgebiet Ost, Bayern und Hessen), verdienst du beispielsweise in der Entgeltgruppe 7, abhängig von deinen Berufsjahren, zwischen 3.433 Euro und 4.046 Euro. Das bedeutet, dass das Gehalt in kirchlichen Einrichtungen sogar etwas höher ist als in öffentlichen Einrichtungen.
Ausbildungsvergütung
Während der Schulausbildung erhältst du keine Vergütung. Teilweise sind sogar ein Schulgeld und Aufnahme- sowie Prüfungsgebühren fällig.
Wenn du dein Praktikum in einer kommunalen Einrichtung mit tariflicher Vereinbarung absolvierst oder dort eine praxisintegrierte Ausbildung absolvierest, bekommst du eine Praktikumsvergütung von 1.602 Euro brutto im Monat oder ein Ausbildungsentgelt. Dieses beträgt je nach Ausbildungsjahr knapp 1.200 bis gut 1.350 Euro.
Deine Ausbildung kannst du unter Umständen durch ein berufsförderndes Darlehen (z. B. BAföG) finanzieren.
Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Du kannst dich als Heilerziehungspfleger:in spezialisieren und weiterbilden. Zum Beispiel als Fachkraft für heilpädagogisches Reiten oder im Bereich der Sprachförderung. Auch eine Weiterbildung zur Fachwirtin bzw. zum Fachwirt oder zur Betriebswirtin bzw. zum Betriebswirt im Sozial- und Gesundheitswesen, ein Studium oder eine selbstständige Tätigkeit kommen in Frage.
Mögliche Studiengänge
- Soziale Arbeit
- Heilpädagogik
- Erziehungswissenschaften
- Psychologie
- Gesundheitsmanagement
Mögliche Weiterbildungen:
- Sonderpädagogik
- Erziehungsberatung
- Entspannungstherapie
- Kaufmännische Fortbildungen im Gesundheitswesen
Die Heilerziehungspflege ist ein vielseitiger Beruf, der dir die Möglichkeit gibt, das Leben von Menschen positiv zu beeinflussen. Du arbeitest eng mit einem interdisziplinären Team zusammen und hast die Chance, in verschiedenen Einrichtungen wie Wohnheimen, Tagesstätten oder Schulen tätig zu sein. Wenn du Freude daran hast, anderen zu helfen und einen sinnvollen Beitrag zu leisten, bietet die Heilerziehungspflege eine erfüllende und lohnende Karrieremöglichkeit.
Friederike Bloch


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