Nachhaltigkeit in der Pflege: Tipps für Pflegekräfte und Einrichtungen

Inspiriert von der faszinierenden Welt der Medizin und Pflege, möchte unser Redaktionsteam sich mit Fachkräften austauschen, Perspektiven aufzeigen mit Interviews und Reportagen, um die Vielfalt des Pflegealltags zum Ausdruck bringen.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit kommt auch in der Pflege immer mehr an. Und das ist in Anbetracht des Klimawandels und des demografischen Wandels dringend notwendig. Wir verraten dir, wie du deinen Pflegealltag nachhaltiger gestaltest und des weiteren, wie Gesundheitseinrichtungen das umweltbewusste Handeln ihrer Mitarbeitenden bestmöglich unterstützen können..

Aufgrund des zunehmenden Lebensalters werden immer mehr Menschen medizinische Versorgung benötigen. Gleichzeitig sind Gesundheitseinrichtungen laut einer Studie des National Health Service für rund fünf Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat die Notwendigkeit des nachhaltigen Handelns in der Pflege längst erkannt. In einem Positionspapier zum Weltumwelttag mahnt die Organisation die Dringlichkeit des Handelns im Gesundheitssektor an, um das Klimaschutzziel von 1,5 Grad noch zu erreichen. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit in der Pflege eigentlich?

4 nachhaltige Tipps für Pflegefachkräfte

Krankenhäuser gehören zu den größten Energiefressern in Deutschland. Ein Klinikbett verbraucht pro Jahr durchschnittlich so viel Energie wie circa vier neuere Einfamilienhäuser. Hinzu kommen 300 bis 600 Liter Wasser pro Tag.

Zusätzlich tragen Transporte sowie die Verwendung von Narkosegasen maßgeblich zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Dazu kommt der hohe Verbrauch an Materialien für die medizinische Versorgung von Patient:innen.

Deshalb beginnt umweltbewusstes Handeln schon im Kleinen, um bei deiner Arbeit den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. An diesen ökologischen Stellschrauben kannst du als Pflegefachkraft drehen:

1. Müll trennen

Verbände, Pflaster, OP-Besteck: In Gesundheitseinrichtungen entstehen Berge von Abfall. Laut Ärzteblatt.de fallen in Krankenhäusern pro Tag und Patient:in sechs Kilo Müll an. Es werden viele und häufig mehrfach verpackte Materialien benötigt, um Sterilität und Haltbarkeit zu gewährleisten. Einmalartikel sind im Pflegebereich weit verbreitet.

Aufgrund von Hygienevorschriften darf aber nicht jede Art von Müll dem normalen Recyclingkreislauf zugeführt werden und braucht stattdessen eine gesonderte Entsorgung. Dazu zählen zum Beispiel infektiöse Abfälle.

Da sich eine bestimmte Menge an Abfall in Gesundheitseinrichtungen nie gänzlich vermeiden lassen wird, solltest du gemeinsam mit deinen Kolleg:innen auf eine optimale Mülltrennung achten.

Das gilt nicht nur für alle Hilfsmittel, die im Stationsalltag mit den Patient:innen Verwendung finden. Auch in der Stationsküche sollte die sinnvolle Mülltrennung nicht aufhören. Plastikverpackungen, Essensreste und Papier dürfen auf keinen Fall zusammen in einer Tonne landen.


Wurf Handschuh zu Container mit medizinischem Müll


2. Ressourcen schonen

Das Licht beim Verlassen eines Raumes auszuschalten oder das Wasser beim Waschen ihrer Patient:innen abzustellen, ist für die meisten Pflegefachkräfte selbstverständlich. Durch die Hektik auf der Station können diese Prämissen aber auch mal untergehen.

Versuche deshalb, dein Bewusstsein in Bezug auf das Schonen der Ressourcen zu schärfen. Zum Beispiel könntest du gemeinsam mit deinen Kolleg:innen an zentralen Stellen Hinweisschilder aufhängen. Diese erinnern jede:n von euch freundlich daran, nachhaltig zu handeln.

Dazu zählt auch, beim Verlassen der Stationsküche nicht genutzte Elektrogeräte in den Standby-Modus zu versetzen oder die Fenster zu schließen, wenn die Heizung aufgedreht ist. Oder das Radio abzustellen, wenn niemand im Raum ist. Es ist eigentlich ganz simpel – und wird dennoch oftmals vergessen.

3. Papier sparen

Glücklicherweise stellen immer mehr Gesundheitseinrichtungen auf digitale Kommunikation um. So werden Akten online gespeichert, Mails statt Briefe verschickt und auch die Arbeitsplanung erfolgt digital, ohne unnötige Ausdrucke.

Ganz vermeiden lässt sich die Papiernutzung in Krankenhaus, Pflegeheimen und Co. dennoch nicht. Deshalb solltest du verstärkt darauf achten, dass es möglichst nicht zu Fehldrucken kommt oder zumindest immer beide Seiten eines Blattes bedruckt werden.

Bietet dein Arbeitgeber noch kein Recyclingpapier an, sprich diese Option bei deiner Stationsleitung an. Denn Recyclingpapier statt Frischfaserpapier schont ökologische Ressourcen und das Klima. Für die Aufbereitung des Altpapiers werden weniger Chemikalien, Wasser und Energie benötigt und jede Faser kann bis zu siebenmal benutzt werden.


Kleiner Baum wachsen auf Papier Recycling Konzept als Welt-Umwelttag


4. Ökologischer Arbeitsweg

Nachhaltiges Handeln beginnt bereits auf deinem Weg zur Arbeit. Falls du aufgrund der Entfernung deines Wohnortes zur Arbeitsstätte nicht mit dem Rad fahren kannst, steige zumindest vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Viele Unternehmen bezuschussen ein Jobticket für Bus und Bahn, sodass du dabei sogar günstiger als mit dem Auto wegkommst.

Falls du nicht auf dein Auto verzichten möchtest oder kannst, bilde Fahrgemeinschaften mit ein paar Kolleg:innen. Sofern ihr nah beieinander wohnt und eure wechselnden Schichten es zulassen, muss schließlich nicht jede:r von euch alleine mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren.

Tipp: Eigentlich nutzt du regelmäßig das Fahrrad oder die Bahn. Doch gelegentlich fährst du auch gerne mal mit dem Auto – und das am liebsten spontan und unabhängig? Für diesen Luxus brauchst du nicht zwangsläufig einen eigenen PKW. In größeren Städten gibt es zahlreiche Carsharing-Anbieter wie zum Beispiel Share Now, Sixt oder Miles.

Nachhaltigkeit in der Pflege fördern: 6 Maßnahmen für Arbeitgeber

Sofern bestimmte Voraussetzungen am Arbeitsplatz nicht vorliegen, sind auch den Pflegefachkräften die Hände gebunden. Arbeitgeber sollten deshalb eine optimale Grundlage für ein möglichst nachhaltiges Handeln ihrer Mitarbeitenden schaffen und Ideen zur Verbesserung fördern.

Nicht zuletzt geht es dabei auch um die sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR). Bedeutet: Unternehmen sollten Verantwortung übernehmen für den Einfluss, den ihre Arbeit auf die Umwelt hat.



Du hast das Gefühl, deine Arbeitsstätte wirtschaftet nicht nachhaltig genug? Dann sprich mit deinen Vorgesetzten darüber und teile deine Veränderungsvorschläge mit ihnen. Zur Inspiration stellen wir dir nachfolgend sechs nachhaltige Maßnahmen für Arbeitgeber in der Pflegebranche vor.

„Kein Budget“ für Klimaschutz? Das sehen wir anders. Nahezu alle Nachhaltigkeitsprojekte werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz finanziell unterstützt. Von energieeffizienter Beleuchtung bis zur Wasserversorgung – im Förderkompass findest du passende Fördermittel für deine Initiativen.


drei pflegekräfte zeigen daumen hoch


Nachhaltigkeitsmaßnahme 1: Alternativprodukte im Pflegealltag

Viele Produkte des alltäglichen Verbrauchsmaterials auf der Station gibt es inzwischen schon als schadstofffreie und ökologische Varianten – die ohne Einschränkungen genauso gut funktionieren.

Beispiele:

  • Ökologische Putz- und Waschmittel
  • Liegenauflagen, Toilettenpapier oder Einmalhandtücher aus Recyclingpapier
  • Stoff- statt Papierservietten
  • Mehrweg- statt Einwegprodukte

Übrigens: Bei der Neuanschaffung von Mobiliar sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass Pflegebetten, Pflegesessel und Co. ökologisch produziert wurden und mit einem Umweltzertifikat versehen sind.

Nachhaltigkeitsmaßnahme 2: Regionales/Saisonales fördern

Lange Transportwege sind für einen nicht unerheblichen Teil des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sollten deshalb mit regionalen Betrieben zusammenarbeiten, um die Lieferketten so kurz wie möglich zu halten.

Das gilt vor allem für Lebensmittel, die die Versorgung in der Kantine betreffen. Auf dem Teller landen dann nur saisonale Erzeugnisse, die nicht erst aufwändig importiert werden müssen. Doch auch Medizinprodukte können ohne umweltbelastende Transportwege von Firmen in der Nähe beschafft werden.

Nachhaltigkeitsmaßnahme 3: In energiesparende Technik investieren

Das Umrüsten auf energiesparende Technik bedeutet für Gesundheitseinrichtungen zwar zunächst eine größere finanzielle Belastung. Auf lange Sicht lohnen sich solche Maßnahmen aber nicht nur finanziell, sondern auch für den Klimaschutz.

Neue Wärmeschutzverglasungen und Fassadenoptimierungen steigern zum Beispiel die Energieeffizienz deutlich. Das wiederum spart eine Menge Kosten. Als sehr zukunftsorientiert gelten auch Photovoltaikanlagen auf dem Dach, die Strom aus Sonnenlicht generieren. Dadurch kann ein Unternehmen unabhängig von Stromanbietern und steigenden Strompreisen autark betrieben werden.

Auch der Wasserverbrauch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen lässt sich durch Einsparungsmaßnahmen deutlich reduzieren. Zum Beispiel durch spezielle Aufsätze für Wasserhähne, die Wasserdruck und Wassermenge verringern.

Weiterhin sollten Unternehmen darauf achten, dass Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Trockner die neuesten Standards in puncto Energieeffizienz aufweisen. Moderne Geräte mit neuem Energielabel verbrauchen im Betrieb rund 80 Prozent weniger Energie als ältere Produkte.

Nachhaltigkeitsmaßnahme 4: Bewusstsein schaffen

Vor allem in großen Einrichtungen mit einer Vielzahl an Pflegekräften ist es auch Aufgabe des Betriebes, das Bewusstsein der Angestellten für ein nachhaltiges Handeln zu schärfen.

Eine gut organisierte Nachhaltigkeitsstrategie ist deshalb unerlässlich. Darin sollten alle Maßnahmen vermerkt sein, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Im Rahmen von Schulungen können die Pflegekräfte dann mit allen Maßnahmen vertraut gemacht werden.

Gleichzeitig sollten Unternehmen aber auch offen dafür sein, wenn Pflegekräfte mit Vorschlägen und Wünschen in Bezug auf nachhaltige Alternativen an sie herantreten.

Nachhaltigkeitsmaßnahme 5: Ausgediente Produkte spenden

Was in Pflegeeinrichtungen mit westlichen Standards als alt gilt und ausgedient hat, erleichtert in anderen Ländern die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen enorm. Medizinische Geräte lassen sich in den meisten Fällen wiederaufbereiten und können danach gespendet werden.

Zum Beispiel an Krankenhäuser in Osteuropa oder in Entwicklungsländern. Dort werden medizinische Geräte, aber auch Möbel wie OP-Tische, Rollbetten, Rollstühle, Gehhilfen, Röntgenschutzkleidung oder Defibrillatoren dringend benötigt.

Für die Wiederaufbereitung medizinischer Geräte kommen verschiedene Anbieter infrage, die sich um genau solche Produkte kümmern. Alternativ helfen karitative Einrichtungen wie die Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz mit Infos dazu weiter.


Grüne Farbe gefaltete kasaks


Nachhaltigkeitsmaßnahme 6: Nachhaltige Pflegekleidung anbieten

Kleidung, die Angestellten von der Pflegeeinrichtung zur Verfügung gestellt wird, sollte im besten Fall nachhaltig produziert worden sein. Kasack, Kittel und Co. tragen dann ein Öko-Label, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien produziert wurden.



Ansprechpartner und Infos für mehr Nachhaltigkeit in Gesundheitseinrichtungen

Gibt es in deiner Klinik oder deinem Pflegeheim noch keine Nachhaltigkeitsstrategie? Und fallen dir immer wieder Dinge auf, die in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit in der Pflege dringend geändert werden müssten?

Dann trau dich, etwas zu bewegen. Sprich am besten mit Kolleg:innen über das Thema und suche dir dadurch Verbündete. Wenn ihr als Gruppe geschlossen auftretet, macht das im Gespräch mit Vorgesetzten oftmals mehr Eindruck.

Auch könntest du dich einer Initiative anschließen, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Pflege einsetzt. Dort bekommst du nicht nur Inspiration und Anregungen, sondern auch nötige Tipps, wie du bei deinem Arbeitgeber das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit schärfen kannst.

Green Hospital-Initiativen: Projekte für mehr Klimaschutz im Gesundheitssektor

Sogenannte „Green Hospital-Initiativen“ sind Projekte zur Optimierung des Energiehaushaltes, des Wasserverbrauchs, aber auch des Abfallmanagements in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Vielleicht ist auch ein interessantes Projekt für dich dabei?

  • Klimaneutraler Gesundheitssektor 2035: Initiative von Praxen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Apotheken, Krankenkassen und weiteren Einrichtungen. Sie will bis 2035 so viele Gesundheitseinrichtungen wie möglich auf dem Weg zur Klimaneutralität begleiten.
  • Health Care Without Harm: „Health Care Without Harm“ ist ein Zusammenschluss von Krankenhäusern, Führungskräften und Mitarbeitenden aus dem Gesundheitssektor. Ziel ihrer „Nurses Climate Challenge“ ist es, Pflegefachkräfte aus anderen Gesundheitseinrichtungen für Klimaschutz zu motivieren.
  • Viamedica Stiftung: Mit diversen Projekten sensibilisiert die Stiftung nicht nur Beschäftigte in der Gesundheitsbranche für den sorgsamen Umgang mit Energie und Ressourcen. Sie setzt mit Interessierte auch gemeinsam nachhaltige Maßnahmen in die Tat um.
  • ProVeg international (ehemals Vegetarierbund e.V): Bietet spendenbasierte Trainings und Workshops für Mitarbeitende von Gesundheitseinrichtungen an.

Da der Gesundheitssektor in Deutschland sehr ressourcenintensiv ist und maßgeblich zum Klimawandel beiträgt, sollte Nachhaltigkeit in Pflegeeinrichtungen einen hohen Stellenwert haben. Für die Schaffung der Rahmenbedingungen sind zwar die Unternehmen zuständig. Doch auch du kannst durch deinen Einsatz einen wertvollen Beitrag zu einem umweltfreundlichen Gesundheitssektor leisten.

Katharina Klein

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