Stark für Familien: Die Hilfen der Babylotsen

MEDWING
August 20, 2024

Die Stiftung für familienorientierte Nachsorge Seeyou hat ein Programm, das aktuell über 70.000 Familien hilft.

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    Wenn ein Kind geboren wird, ist das für Eltern magisch und anstrengend zugleich. Aufregend ist die Zeit, wenn das Neugeborene den Kreis der Familie erweitert. Nicht immer allerdings sind Familien auf einen Zuwachs vorbereitet. Wirtschaftliche Not, Integrationsschwierigkeiten oder Überlastung sind Faktoren, die u.a. auch das Kindeswohl gefährden können. Um die Startchancen eines Kindes zu erhöhen, gibt es Babylotsen. Das bundesweit in Geburtskliniken und Arztpraxen verbreitete Präventionsprogramm zum vorbeugenden Kinderschutz und zur frühen Gesundheitsförderung wurde von der Stiftung für familienorientierte Nachsorge Hamburg Seeyou initiiert und ist ein freiwilliges, kostenfreies Angebot für Familien.

    Aufgaben der Babylotsen

    Arbeitslosigkeit, sprachliche Barrieren, lose familiäre Strukturen, eine Trennung oder Erkrankung der Eltern – in manchen Fällen kommt ein Kind leider nicht in einer Umgebung zur Welt, die Geborgenheit und stabile Verhältnisse bieten kann. Babylotsen helfen dann aus, indem sie bereits vor der Geburt der Familie zur Seite stehen. Sie unterstützen bei der Klärung formaler Fragen, wie der Geburtsanmeldung oder der Beantragung von Kinder- und Elterngeld. Darüber hinaus übernehmen sie die Suche nach kostenfreien Kursen und Gruppen für werdende Mütter, beraten zu Anliegen einer Paarbeziehung, zu Sorgen und Ängsten. Existenzielle Fragen wie ein ungeklärter Aufenthaltsstatus werden geklärt, genauso wie im Fall von Wohnungslosigkeit oder Gewalt in der Ehe. Babylotsen sind nicht nur Beirat für Anliegen mit bürokratischem Zweck, sie sind ebenso psychologische Berater als auch ein persönlicher Begleiter. Ihnen kommt ein großes Netzwerk zugute, auf dass sie zugreifen können, sofern Kontakte gewünscht sind – ob zu weiteren Beratungsinstitutionen oder Ärzten. Sie vermitteln schnell und nah Unterstützungsangebote und sind selbst immer vor Ort, wenn nach ihnen gerufen wird.

    Geburt der Babylotsen

    Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit gelten als besonders kritischer Lebenszeitraum, der das zukünftige Wohlbefinden und psychosoziale Wachstum von Kindern maßgeblich beeinflusst. Mit den frühen Hilfen der Babylotsen haben sich lokale und regionale Unterstützungssysteme für Eltern und Kleinkinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren etabliert. Die ursprüngliche Idee stammt von dem Hamburger Kinderarzt und Gründer der Seeyou Stiftung Sönke Siefert. Mit der Vision, einen vorbeugenden Kinderschutz und eine frühe Gesundheitsförderung von Kindern zu implementieren, startete er 2007 das Programm am Hamburger Marienkrankenhaus. Das Angebot richtete sich dabei vor allem an Kinder aus Familien, die durch Arbeitslosigkeit, Trennung oder Krankheit belastet sind. Mittlerweile sind Babylotsen an 56 Kliniken und an 31 ambulanten Standorten in acht Bundesländern aktiv und stehen damit über 70.000 Familien zur Verfügung (Stand: Januar 2020).

    In der Regel weisen die Krankenhäuser bereits bei der Anmeldung der Geburt auf ein entsprechendes Beratungsangebot hin. Ein zusätzlicher Fragebogen erörtert die Familiensituation, beispielsweise ob die Mutter alleinerziehend ist, ob es in der Familie wirtschaftliche Probleme oder Suchterkrankungen gibt. Dabei können die Eltern auch eigene Beratungswünsche notieren und Ziele definieren. Nach der Geburt weisen auch die Schwestern und Hebammen auf zusätzlichen Unterstützungsbedarf bei den Familien hin, beispielsweise wenn sie beobachten, dass eine Mutter nur wenig Körperkontakt zu ihrem Kind sucht oder kaum auf sein Weinen reagiert.

    Wie man Babylotse wird

    In der Regel sind Babylotsen von Haus aus Sozialpädagogen/innen, Hebammen, Familienhebammen, Kinderkrankenschwester oder Fachkräfte in vergleichbaren Berufsgruppen. Eine entsprechende Weiterbildung zum Babylotsen können Interessierte direkt über die Stiftung Seeyou absolvieren. Das Fachzertifikat 'Babylotse' wird nach erfolgreicher Teilnahme an einem dreitägigen Praxismodul sowie einem einwöchigen Theoriemodul vergeben. Dabei findet das Praxismodul in Hamburg oder einem regionalen Fortbildungszentrum statt, das die Teilnehmer/innen selbst auswählen können. Das Theoriemodul hingegen findet an der Medical School in Berlin oder Hamburg statt. Mehr Informationen zur Weiterbildung 'Babylotse' und zur Anmeldung finden Interessierte direkt auf den Seiten von Seeyou.

    Sabrina Lieb

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