Vorstellungsgespräch – Tipps für angehende Assistenzärzt:innen

MEDWING
August 20, 2024

Die wichtigsten Tipps zum Vorstellungsgespräch als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt findest du hier.

Themen auf dieser Seite

    Du hast dein Studium erfolgreich abgeschlossen und deine Approbation in der Tasche. Jetzt steht dir deine Zeit als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt bevor. Aber wie bekommst du die Stelle an deiner Lieblingsklinik? Schaffst du den Einstieg in deinen bevorzugten Fachbereich? Damit du optimal auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet bist, haben wir die wichtigsten Tipps hier für dich zusammengestellt.

    In der Regel bewirbst du dich bei mehreren Kliniken als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt, absolvierst eine Reihe von Job-Interviews und triffst am Ende eine fundierte Entscheidung. Vorstellungsgespräche laufen immer recht ähnlich ab. Eine gute Vorbereitung mit den richtigen Tipps ist entscheidend. Allerdings bringt es dir nichts, vorgefertigte Antworten auswendig zu lernen.

    Besser ist es, wenn du dir im Vorfeld Gedanken darüber machst, wie du deine Motivation, deine Ziele und Beweggründe verständlich und überzeugend darstellst. Besonders, wenn du dich in einem kompetitiven Feld wie plastischer Chirurgie, Neurochirurgie oder Dermatologie bewirbst, solltest du fachlich und persönlich aus der Menge der Bewerber:innen herausstechen. Sonst hast du kaum eine Chance.

    • Weise auf dein PJ-Wahltertial oder deine Doktorarbeit hin.
    • Erwähne einschlägige Praktika.
    • Zeige dein intensives Interesse an Forschung und Lehre.

    Möglicherweise wirst du während des Bewerbungsgesprächs mit detaillierten Fachfragen konfrontiert. In anderen weniger gefragten Fachbereichen oder bei der Bewerbung in einem kleineren kommunalen Krankenhaus läuft das Gespräch deutlich entspannter ab.

    Vor dem Bewerbungsgespräch Informationen einholen

    Das Vorstellungsgespräch findet nicht unbedingt nur mit der Chefärztin bzw. dem Chefarzt statt. Manchmal sind mehrere Personen daran beteiligt. Das bedeutet, dass du verschiedene Entscheidungsträger:innen kennenlernst.

    • Informiere dich über die Klinik: Welche Schwerpunkte hat die Abteilung? Welche Forschungsgebiete stehen an der Uniklinik im Fokus?
    • Wie sieht der Werdegang der Chefärztin bzw. des Chefarztes aus? Woran forscht sie bzw. er?
    • Wo liegen die Schwerpunkte der Oberärzt:innen und der stellvertretenden Klinikdirektorin bzw. des stellvertretenden Klinikdirektors?



    7 typische Fragen, die im Vorstellungsgespräch gestellt werden

    Wenn du es als angehende:r Ärztin/Arzt in Weiterbildung ins Vorstellungsgespräch geschafft hast, haben deine Unterlagen und deine Noten überzeugt. Jetzt geht es darum, mit deiner Persönlichkeit zu punkten. Gleichzeitig soll das Job-Interview dir bei der Entscheidung helfen, ob die Klinik als Arbeitgeber für dich infrage kommt oder nicht.

    Bei den typischen Fragen ist es wichtig, dass du ehrlich Auskunft gibst:

    • Du möchtest herausfinden, ob du in die entsprechende Klinik passt und dort wirklich deine Assistenzzeit verbringen möchtest.
    • Dein potenzieller Arbeitgeber möchte sichergehen, dass du ein Gewinn für das Haus bist.

    Betrachte das Vorstellungsgespräch als das, was es ist: ein gegenseitiges Kennenlernen und eine Entscheidungshilfe. Vielleicht hospitierst du in dem ausgesuchten Haus und absolvierst das Bewerbungsgespräch zwischendurch. In dem Fall verbringst du den kompletten Tag in der Klinik. Während du im OP stehst, kommen wahrscheinlich Fragen zu deinem Werdegang, deinen fachlichen Schwerpunkten und zu deinen Hobbys.

    Bereite dich umfassend auf diesen wichtigen Termin, die üblichen 7 Standardfragen und ein bisschen Small Talk vor. Dann bist du auf der sicheren Seite. Du brauchst nichts auswendig zu lernen. Aber es hilft, deine Antworten in einem Rollenspiel vorab zu üben.

    #1 Warum haben Sie sich für das Medizinstudium entschieden?

    Hier steht deine Motivation auf dem Prüfstand. Möchtest du in erster Linie Menschen helfen, die Forschung vorantreiben oder Nachwuchs ausbilden?Als Antwort auf diese Frage kannst du zum Beispiel ein persönliches Schlüsselerlebnis erzählen oder auf eine lange Familientradition verweisen, falls das zutrifft.

    #2 Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei uns?

    Hier möchte dein:e Interviewpartner:in wissen, warum du dich für eine Stelle in diesem kommunalen Krankenhaus, an dieser Uniklinik oder in dieser Praxis interessierst. Falls du dich nicht an deinem Wohnort bewirbst, erkundigt sich die Chefärztin bzw. der Chefarzt vermutlich nach deinen Beweggründen.

    • Was zieht dich weg von deiner Heimatstadt?
    • Reizt dich der Forschungsschwerpunkt in der Uniklinik besonders?
    • Begeistert dich der besondere Ruf der Einrichtung?
    • Gibt es für deine Bewerbung persönliche oder familiäre Gründe? (Vielleicht möchtest du deinen Wohnort verlagern. Oder du hast Familie in der entsprechenden Stadt und möchtest deine Assistenzzeit darum dort verbringen.)

    #3 Warum haben Sie diesen fachlichen Schwerpunkt gewählt?

    Kardiologie, Nephrologie, Gynäkologie? An dieser Stelle interessiert sich dein:e Gesprächspartner:in für deine Entscheidung, dich auf ein bestimmtes Fachgebiet zu spezialisieren. Was fasziniert dich an dem ausgesuchten Fachgebiet? Was steht hinter deiner Wahl? Warum kommt für dich nur diese und keine andere Fachrichtung infrage?

    #4 Haben Sie Interesse an der Forschung?

    Diese Frage kommt auf jeden Fall auf dich zu, wenn du dich an einer Uniklinik bewirbst. Möglicherweise wirst du sogar zu Inhalten und Methoden deiner Promotionsarbeit befragt.

    • Planst du, an Forschungsprojekten teilzunehmen?
    • Wie ambitioniert bist du in dieser Hinsicht? Interessierst du dich genug für Forschung und Lehre, um einen PD (Privatdozent) zu machen und zu unterrichten? Die Lehre ist an der Uniklinik ein zentraler Aspekt.
    • Könntest du dir vorstellen, für ein Forschungsvorhaben ins Ausland zu gehen?

    Falls du kein Forschungsinteresse mitbringst, das aber explizit verlangt wird, ist das für dich nicht die optimale Stelle. Das heißt nicht, dass du nur mit Forschungsinteresse an die Uniklinik kommst. Aber du solltest in diesem Punkt offen sein, um beidseitige Enttäuschungen zu vermeiden.

    #5 Wie würden Ihre Kolleg:innen Ihre Stärken (und Schwächen) beschreiben?

    Mit dieser Frage lädt dein:e Gesprächspartner:in dich im Vorstellungsgespräch dazu ein, deine Vorzüge zu präsentieren. Wiederhole nicht nur, was ohnehin in deinen Unterlagen steht. Ergänze die dort gegebenen Informationen und untermauere deine Stärken mit Beispielen.

    An die Frage nach deinen Pluspunkten schließt sich meistens die Frage nach deinen Schwächen an. Nenne entweder Schwächen, die für den Job als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt keine Rolle spielen oder konzentriere dich auf Schwächen, an denen du bereits arbeitest.

    • Vielleicht ist Deutsch nicht deine Muttersprache, sodass dir hin und wieder Grammatikfehler passieren. – Aber du arbeitest kontinuierlich daran, deine sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.
    • Oder du bist ehrgeizig und zielstrebig, was dazu führt, dass du manchmal Freundschaften vernachlässigst. – Aber du bemühst dich um eine ausgewogene Work-Life-Balance.
    • Dein Namensgedächtnis lässt dich manchmal im Stich. – Darum fragst du mehrfach nach, bis du dir alle Namen eingeprägt hast.

    Diese Schwächen sind unproblematisch und bringen dir beruflich keine Nachteile.

    #6 Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

    Hier geht es darum zu erfahren, wie du Stress abbaust. Ausgleich ist wichtig. Ohne Freizeitaktivitäten steigt das Risiko, einen Burnout zu erleiden. Dieser kurze Smalltalk-Teil gibt Aufschluss über dich als Mensch und Persönlichkeit. Dahinter steckt der Wunsch, ein bisschen Leichtigkeit ins Gespräch zu bringen und dich gleichzeitig näher kennenzulernen.

    • Welche Sportarten betreibst du?
    • Wofür interessierst du dich privat?
    • Was für Bücher und Zeitschriften liest du?

    #7 Haben Sie noch Fragen an uns?

    Das ist deine Chance, selbst mehr über die Arbeitssituation in Erfahrung zu bringen. Starte am besten mit den Fragen, die deine hohe Motivation unterstreichen.

    Rückfragen im Vorstellungsgespräch als Assistenzärzt:innen stellen – Beispiele

    Das sind Informationen, die du einholen solltest, bevor du dich für oder gegen eine bestimmte Stellte entscheidest:

    Gibt es einen strukturierten Rotationsplan?

    In manchen Kliniken geht es chaotisch zu, in anderen ist die Rotation durch die verschiedenen Stationen sehr gut strukturiert. Besonders in der Inneren Medizin, in der Unfallchirurgie und in der Urologie ist es wichtig zu wissen, wann du auf der Intensivstation eingesetzt wirst und wie lange deine Zeit dort dauert. Sind es die obligatorischen sechs Monate? Oder kann es sein, dass du dort ein Jahr oder länger zubringst? Auf der Intensivstation erwirbst du wesentliche Kenntnisse. Darum sollte die Rotation dorthin möglichst früh – in den ersten drei Jahren – erfolgen. Allerdings bedeutet die Zeit auf der Intensivstation auch eine Menge Stress. Es hilft, wenn du im Voraus weißt, worauf du dich einstellen musst.

    Bietet Ihr Haus interne und externe Fortbildungen an?

    Mit dieser Frage findest du heraus, welche Weiterbildungen es gibt. Wichtig ist auch herauszufinden, wer die Kosten dafür übernimmt. An manchen Häusern ist es üblich, dass die Assistenzärzt:innen ihre Weiterbildung selbst zahlen. Oder es gibt ein begrenztes Budget, das du ausschöpfen kannst, aber möglicherweise aus eigener Tasche aufstocken musst. Frage nach, ob du frei bekommst, damit du an Fortbildungen und Kongressen teilnehmen kannst. Möglicherweise wird erwartet, dass du dafür deine Urlaubstage nutzt.

    Wird Forschung unterstützt?

    Bekommst du forschungsfrei oder musst du während deiner Forschungstätigkeit Dienste übernehmen? Falls ja, wie viele Dienste fallen an? Wenn du ständig in der Notaufnahme oder in der Ambulanz aushelfen musst, kannst du dich kaum auf die Forschung konzentrieren.

    Wie ist die Dienststruktur?

    Gibt es 12-Stunden-Dienste oder 24-Stunden-Dienste? Wie oft finden diese Dienste statt und wie lange dauern sie? Auch diese Informationen helfen dir dabei, eine gute Wahl für deine Assistenzzeit zu treffen.

    Werden Überstunden bezahlt?

    Überstunden lassen sich nicht vermeiden. Entscheidend ist, wie damit intern umgegangen wird.

    • Werden Überstunden bezahlt?
    • Schreiben die Mitarbeiter:innen Überstunden gar nicht erst auf?
    • Bekommst du für die geleistete Mehrarbeit einen Freizeitausgleich?
    • Werden Überstunden gekappt? In manchen Kliniken verfallen Überstunden ab einer gewissen Größenordnung. Passiert das, arbeitest du etliche Stunden vermutlich ohne Entlohnung. Bist du bereit, das in Kauf zu nehmen?

    Gespräche mit Assistenzärztinnen und Assistenzärzten führen

    Sprich unbedingt unabhängig von deinem Vorstellungsgespräch mit den Assistenzärztinnen und Assistenzärzten vor Ort. Von ihnen bekommst du Auskunft aus erster Hand. Daran erkennst du, ob die Chefärztin bzw. der Chefarzt die Situation tatsächlich realistisch dargestellt hat.

    Fragen an die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung:

    • Wie viele Stunden bringst du täglich in der Klinik zu?
    • Wie ist die Qualität der Fortbildungen? (Lernst du in der Klinik das, was du lernen willst?)
    • Werden Forschungsprojekte unterstützt und gefördert? (Musst du ständig auf Abruf einspringen oder hast du forschungsfrei?)
    • Wie viele Dienste fallen an?
    • Wie ist der Umgang mit Überstunden?
    • Wie sieht die Rotation innerhalb des Hauses aus?
    • Bist du zufrieden mit deiner Tätigkeit? Was stört dich? Was könnte besser laufen?

    Anhand dieser Antworten bekommst du ein vollständigeres Bild von der Arbeitssituation in der jeweiligen Klinik.

    Es lohnt sich, Zeit in die Vorbereitung für das Vorstellungsgespräch zu stecken. Neben einer Vorabrecherche über die Klinik solltest du dir über deine Motivation und Beweggründe im Klaren sein. Überlege dir, warum du einen bestimmten Fachbereich wählen möchtest und was dich an die entsprechende Klinik zieht. Das Gespräch mit den Assistenzärztinnen und Assistenzärzten vor Ort ist unverzichtbar. Danach weißt du, was auf dich zukommt und kannst entscheiden, ob du im Falle einer Zusage dort arbeiten möchtest oder nicht.

    Michaela Hövermann


    Das könnte Dich auch interessieren:

    Alle Artikel ansehen