Als Pflege- oder Gesundheitfachkraft führt dich deine Arbeit manchmal auch in Einrichtungen des Betreuten Wohnens. Hier erfährst du alles, was du zu dieser Wohnform wissen musst.
So lange wie möglich selbstbestimmt und selbstständig leben ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität im Alter. Ab einem bestimmten Punkt entsteht bei den meisten Menschen jedoch ein Bedarf nach Unterstützung oder Pflege, ausgelöst durch eine Krankheit, einen Unfall oder das hohe Lebensalter. Nicht immer heißt das, dass man deshalb seine eigenen vier Wände verlassen muss. Betreutes Wohnen ist eine Möglichkeit, in einer barrierefreien Wohnung zu leben und in verschiedenen Bereichen des Alltags Hilfestellung sowie kleinere Pflegeleistungen zu bekommen.
Manchmal wird Betreutes Wohnen auch als Service-Wohnen bezeichnet. Betreutes Wohnen und Service-Wohnen sind keine geschützten Begriffe. Je nach Anbieter variiert, welche Leistungen zum Wohnkonzept gehören. Zum Teil können die Wohnungen Teil einer Pflegeeinrichtung sein.
Die Nachfrage nach Einheiten für Betreutes Wohnen ist laut einer Analyse verschiedener Immobilienexperten sehr viel größer als das Angebot. Aktuell fehlen knapp eine halbe Millionen Wohnungen mit Betreuungsangeboten in Deutschland.
In diesem Artikel erfährst du…
- was Betreutes Wohnen bedeutet
- welche Arten es gibt
- für wen Betreutes Wohnen sinnvoll ist
- welche Leistungen es beinhaltet
- mit welchen Kosten man rechnen muss
- was die Vorteile und Nachteile von Betreuten Wohnen sind
- wie du als Pflegekraft Jobs im Betreuten Wohnen findest
Betreutes Wohnen – Definition
2019 betrug die Anzahl von Menschen im Betreuten Wohnen etwa 150.000. Im Unterschied zu einem Pflegeheim steht beim Betreuten Wohnen bzw. Service-Wohnen nicht die Pflege, sondern die Eigenständigkeit der Bewohner:innen im Vordergrund. Diese Wohnform nutzen vor allem ältere Menschen mit geringfügigem Hilfebedarf. Sie benötigen eine barrierefreie Wohnung und gewisse Grundleistungen bzw. niedrigschwellige Betreuung, sind sonst aber selbstständig.
Doch Einrichtungen für Betreutes Wohnen gibt es nicht nur für Senioren, sondern auch für Jugendliche sowie Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung. Dann sind auch Sozialarbeiter:innen, Heilerziehungspfleger:innen, Heilpädagog:innen, Erzieher:innen, Therapeut:innen oder Pflegekräfte an der Betreuung beteiligt. Eine Variante des Betreuten Wohnens ist zudem das Begleitete Einzel- oder Familienwohnen.
Anbieter von Betreutem Wohnen können ihre Dienstleistung zertifizieren lassen, wenn sie die Qualitätsanforderungen der DIN-Norm 77800 und DIN 18040 I und II erfüllen.

Welche Arten von Betreutem Wohnen gibt es?
Betreutes Wohnen kann in unterschiedlicher Form realisiert werden. Grundsätzlich unterscheidet man:
- ambulante betreutes Wohnen (entweder selbst organisiert oder gebündelt als Angebot von einem Wohn- und Betreuungsanbieter)
- einzelne barrierefreie Wohnungen für Senioren in Wohngebieten
- Wohnanlagen, oft angegliedert an Pflegeheime (auch geeignet für Demenzerkrankte, deren Betreuungsbedarf sich mit fortschreitender Krankheit erhöht und die später in das Pflegeheim umziehen können)
- Seniorenresidenzen (erfüllen höhere Ansprüche, haben oft Hotelcharakter und sind teurer)
- Senioren-WGs
- privat organisierte Mehrgenerationenhäuser
Für wen eignet sich Betreutes Wohnen bzw. Service-Wohnen?
Für diese Wohnform gibt es keine Altersober- oder -untergrenze. Die Einrichtungen sind meistens auf spezifische Bedürfnisse oder Lebenssituationen spezialisiert. So ist Betreutes Wohnen für jeden möglich, der Unterstützung benötigt.
Dennoch sind es vor allem ältere Menschen, die betreutes Wohnen bzw. Service-Wohnen in Anspruch nehmen. Die Voraussetzungen sind dabei, dass sie lediglich ein wenig Hilfestellung im Alltag benötigen, nicht jedoch umfangreiche Pflege. Sie sollten in der Lage sein, selbstständig allein zu leben.
Grundsätzlich können aber Menschen mit jedem Pflegegrad in eine Einrichtung für Betreutes Wohnen ziehen. Allerdings bestehen schon ab Pflegegrad 2 bis 3 erhebliche Beeinträchtigungen. Das Betreuungsangebot muss dementsprechend umfangreicher sein und helfende Angehörige sollten sich in der Nähe befinden.Die Wohnungsangebote sind auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten, das heißt, sie sind seniorengerecht eingerichtet und meist sind Einkaufsmöglichkeiten, Ärzt:innen und Apotheken gut zu erreichen. Auch für ältere Paare eignet sich Betreutes Wohnen.
Diese Leistungen gehören zum Betreuten Wohnen
Bei den Leistungen des Betreuten Wohnens unterscheidet man Grundleistungen und Zusatz- bzw. Wahlleistungen. Die Angebote variieren je nach Anbieter.
Zu den Grundleistungen gehören in der Regel:
- Barrierefreie Ausstattung
- Hausnotruf
- Gemeinschaftseinrichtungen
- Freizeitangebote
- Hausmeisterservice und Gebäudemanagement
- Ansprechperson, die Fragen beantwortet, die notwendige Unterstützung und Freizeitaktivitäten organisiert sowie Dienstleistungen vermittelt
Wahlleistungen können sein:
- ambulante Pflege
- Reinigungsdienst
- Haushaltshilfe
- Fahr- und Begleitdienst
- Einkaufsservice
- Wäscheservice
- Essen auf Rädern
- Medizinische Fußpflege
Kosten und Finanzierung
Die Kosten für Betreutes und Service-Wohnen variieren sehr stark. Es ist möglich, eine entsprechende Wohnung sowohl zu kaufen als auch zu mieten. Der Preis hängt von der Lage, der Größe sowie der Ausstattung der Wohnung ab und liegt bei Mietwohnungen aufgrund der hohen Nachfrage 10 bis 20 Prozent über den üblichen Mietpreisen.
Zu den Kosten gehört außerdem die Betreuungspauschale, deren Höhe unter anderem von den gewählten Leistungen abhängt.
Die meisten Kosten müssen die Bewohner:innen selbst tragen. Unter bestimmten Bedingungen ist es jedoch möglich, dass ein Teil davon übernommen wird. Bei einem Pflegegrad können die gleichen Leistungen wie bei der häuslichen Pflege von der Pflegekasse bezuschusst werden. Dies sind zum Beispiel Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Verhinderungspflege, Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel.
Das Sozialamt kann teilweise Wohnkosten übernehmen und auch durch Wohnberechtigungsscheine oder Wohngeld können Senior:innen mit weniger Geld Sozialwohnungen beziehen, die Leistungen des betreuten Wohnens beinhalten. Diese sind jedoch selten.

Vorteile und Nachteile von Service-Wohnen
Möglicherweise kommst du bei deiner Arbeit als Pflegekraft mit Senior:innen oder Angehörigen in Kontakt, die sich fragen, ob betreutes Wohnen das richtige für sie bzw. ihr Familienmitglied ist. Daher solltest du die Vor- und Nachteile kennen.
Vorteile:
- Barrierefreiheit und Sicherheit
- Eigenständigkeit
- Privatsphäre im Gegensatz zu einem Pflegeheim
- Möglichkeit, mit anderen Senior:innen Kontakte
- soziale Isolation wird durch gemeinsame Aktivitäten vermieden
- individuelle Unterstützungsangebote
- feste Ansprechpartner:innen
mögliche Nachteile:
- ein Umzug und das Verlassen der vertrauten Umgebung ist für ältere Menschen oft belastend
- kommt es zu Pflegebedürftigkeit ist ein weiterer Umzug nötig
- möglicherweise erhöht sich die Entfernung zu den Angehörigen
- die Wartezeiten für diese Wohnangebote sind lang
- Betreutes Wohnen ist vergleichsweise teuer
Jobs für Pflegekräfte im Betreuten Wohnen
Betreiber von Einrichtungen für Betreutes Wohnen haben entweder ein eigenes Pflegeteam oder arbeiten mit externen Dienstleistern wie ambulanten Pflegediensten zusammen. Wenn du also Pflegefachkraft oder Pflegehelfer:in bist, ist die Versorgung von Menschen im Betreuten Wohnen eine Joboption für dich. Meist fallen hierbei nur Aufgaben der Grundpflege an oder du unterstützt bei haushaltsnahen Tätigkeiten. Auch Alltagsbegleiter:innen, Betreuungsassistent:innen, Sozialarbeiter:innen oder Heilerziehungspfleger:innen werden in Stellenangeboten für Betreutes Wohnen gesucht.
Betreutes Wohnen ist dann sinnvoll für Senior:innen, die selbstständig in einer eigenen Wohnung leben möchten. Sie erhalten individuelle Unterstützung im Alltag und erhalten dennoch ihre Eigenständigkeit. Oft sind sie Teil einer Gemeinschaft. Die sozialen Kontakte beugen Vereinsamung vor, besonders wenn der Partner oder die Partnerin bereits verstorben sind oder die Angehörigen weit weg wohnen. Möchten Senior:innen ihre Wohnung oder ihr Haus nicht verlassen oder sprechen finanzielle Gründe gegen Betreutes Wohnen, besteht die Möglichkeit, alternativ eine Alltagsbetreuung zu engagieren, die stundenweise vor Ort ist.
Friederike Bloch


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