Mit der Approbation stehst du vor einer großen Entscheidung: Welche Fachrichtung möchtest du einschlagen? Neben Neigung und Interesse spielt dabei auch das Gehalt eine Rolle. Wo lässt sich mehr verdienen, in einem kommunalen Krankenhaus, in einer Uniklinik oder doch mit einer privaten Praxis? In diesem Artikel erfährst du, mit wie viel Lohn du während deiner Weiterbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt rechnen kannst und bei welchem Arbeitgeber du später als ausgebildeter Facharzt (w,m,d) du am meisten verdienst.
Wie viel verdient ein (angehender) Facharzt (w,m,d)?
Dein Gehalt hängt in deiner Assistenzzeit zum einen von deiner Arbeitsstätte ab, zum anderen von deiner ausgesuchten Fachrichtung. Das gilt sowohl für deine Tätigkeit während der Weiterbildung als auch für deine Arbeit als Facharzt (w,m,d). In kommunalen Krankenhäusern, Unikliniken und auch in einigen privaten Klinikkonzernen wie Helios gibt es Tarifverträge für Ärztinnen und Ärzte, die das Gehalt regeln.
Wenn du deine Facharztweiterbildung beginnst, steigst du auf der niedrigsten Entgeltstufe ein. Mit jedem Jahr deiner Weiterbildung wechselst du automatisch in die nächsthöhere Stufe des für dich geltenden Tarifvertrages. Hast du nach vier, fünf oder sechs Jahren Weiterbildungszeit deine Prüfung vor der Landesärztekammer bestanden, wechselst du in die nächste Entgeltgruppe.
Welches Gehalt bekommen Fachärzt:innen in kommunalen Krankenhäusern?
Etwa ein Drittel der in Kliniken tätigen Assistenzärztinnen und Assistenzärzte entscheidet sich für die Arbeit in einem Krankenhaus unter kommunaler Trägerschaft. Falls auch du dort nach einer freien Stelle suchst, ist dein monatlicher Verdienst im Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) geregelt.
Dein Einstiegsgehalt beträgt 4.694,75 Euro brutto im Monat. Im sechsten Jahr deiner Assistenzzeit verdienst du monatlich 6.034,78 Euro brutto.
Gehalt von Ärzt:innen in Weiterbildung in kommunalen Krankenhäusern
Seit dem 1. Januar 2021 gilt folgende Tarifvereinbarung für Assistenzärzte (w,m,d):
Grundentgelt (brutto) in der Entgeltgruppe I (Assistenzärzt:innen)
- Stufe 1 (Jahr 1 deiner Weiterbildung) = 4.694,75 €
- Stufe 2 (Jahr 2 deiner Weiterbildung) = 4.960,89 €
- Stufe 3 (Jahr 3 deiner Weiterbildung) = 5.150,94 €
- Stufe 4 (Jahr 4 deiner Weiterbildung) = 5.480,39 €
- Stufe 5 (Jahr 5 deiner Weiterbildung) = 5.873,21 €
- Stufe 6 (Jahr 6 deiner Weiterbildung) = 6.034,78 €
Gehalt von fertig ausgebildeten Fachärzt:innen in kommunalen Krankenhäusern
Nach dem erfolgreichen Abschluss deiner Weiterbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt steigst du in die nächste Entgeltgruppe auf.
Grundentgelt (brutto) in der Entgeltgruppe II (Fachärzt:innen)
- Stufe 1 = 6.196,32 €
- Stufe 2 = 6.715,85 €
- Stufe 3 = 7.172,04 €
- Stufe 4 = 7.438,15 €
- Stufe 5 = 7.697,88 €
- Stufe 6 = 7.957,64 €
Was verdienen Fachärzt:innen in Unikliniken?
Mit etwas mehr Gehalt kannst du an Unikliniken rechnen. Falls du deine Assistenzzeit dort verbringst, gilt für dich die Entgelttabelle TV-Ärzte TDL – Tarifvertrag für Unikliniken. Deine Arbeitszeit beträgt offiziell 42 Wochenstunden. Mit 4.841,95 Euro brutto im Monat fällt dein Einstiegsgehalt 147.20 Euro höher aus als bei der Tätigkeit in einem kommunalen Krankenhaus.Im sechsten Jahr deiner Weiterbildung ist die Differenz noch größer: Du erhältst 6.215,35 Euro brutto monatlich, immerhin 180,57 Euro mehr als deine Kolleginnen und Kollegen im kommunalen Krankenhaus.
Gehalt von Ärzt:innen in Weiterbildung an Unikliniken
Vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021 gelten folgende Beträge:
Grundentgelt (brutto) in der Entgeltgruppe Ä1 (Assistenzärzt:innen)
- Stufe 1 (Jahr 1 deiner Weiterbildung) = 4.841,95 €
- Stufe 2 (Jahr 2 deiner Weiterbildung) = 5.116,40 €
- Stufe 3 (Jahr 3 deiner Weiterbildung) = 5.312,43 €
- Stufe 4 (Jahr 4 deiner Weiterbildung) = 5.652,24 €
- Stufe 5 (Jahr 5 deiner Weiterbildung) = 6.057,34 €
- Stufe 6 (Jahr 6 deiner Weiterbildung) = 6.215,35 €
Gehalt von Fachärzt:innen an Unikliniken
Nach Bestehen deiner Prüfung wechselst du in die Entgeltgruppe Ä2. Dort steigt dein Gehalt stufenweise an. Wenn du noch mehr verdienen möchtest, solltest du versuchen, Ober- oder Chefärztin bzw. Chefarzt zu werden.
Grundentgelt (brutto) in der Entgeltgruppe Ä2 (Fachärzt:innen)
- Stufe 1 = 6.390,60 €
- Stufe 2 = 6.926,42 €
- Stufe 3 = 7.396,90 €
- Stufe 4 = 7.661,27 €
- Stufe 5 =7.805,40 €
- Stufe 6 = 8.004,59€
Dein Gehalt hängt also mit deiner Berufserfahrung und mit dem Tarifvertrag der jeweiligen Institution zusammen. Dazu kommen zusätzliche Dienste wie die Rufbereitschaft und der Bereitschaftsdienst, die dein Gehalt weiter steigern können.
Eine eigene Praxis eröffnen?
Als Fachärztin bzw. Facharzt brauchst du nicht unbedingt den Weg in die Festanstellung wählen. Eine andere Möglichkeit ist, eine eigene Praxis zu eröffnen oder eine bestehende Praxis zu übernehmen. Das hat den Vorteil, dass dein Gehalt nicht tariflich gebunden ist.
Dein Verdienst als niedergelassene:r Ärztin bzw. Arzt hängt von deinem Einzugsgebiet und von deinem Fachgebiet ab. Darum gibt es hier keine konkreten Zahlen. Am besten verdienen Radiologen mit eigener Praxis, gefolgt von Chirurgen.
Allerdings trägst du als selbstständige:r Fachärztin bzw. Facharzt mit eigener Praxis auch das finanzielle und unternehmerische Risiko. Für die Anschaffung benötigter Geräte bist du selbst zuständig, was hohe Kreditschulden bedeutet, falls Leasing nicht infrage kommt.
Mehr verdienen als Vertretungsarzt (w,m,d)?
Durch eine Tätigkeit als Vertretungsärztin bzw. -arzt verdienst du oft mehr Gehalt als in einer Festanstellung. Gleichzeitig brauchst du keine Risiken mit einer eigenen Praxis einzugehen. An Tarifverträge bist du bei dieser Tätigkeit nicht gebunden. Deinen Stundenlohn handelst du direkt mit der Klinik, der Forschungseinrichtung, dem MVZ oder der Praxis aus. Je nachdem, wie geschickt du argumentierst, fällt dein Honorar aus.
Maßgeblich für die Höhe der Vergütung sind deine Position, Berufserfahrung und die vereinbarten Arbeitszeiten. Du kannst sowohl stationär als auch ambulant einspringen.
Für wen eignet sich eine Tätigkeit als Vertretungsarzt (w,m,d)?
Prinzipiell kannst du mit einem Facharzttitel in der Tasche als Vertretungsärztin bzw. -arzt tätig sein.
Infrage kommt diese Arbeit für …
- freiberuflich tätige Fachärzte (w,m,d)
- niedergelassene Fachärzte (w,m,d) mit eigener Praxis
- angestellte Fachärzte (w,m,d), die eine Nebentätigkeit ausüben möchten
- Fachärzte (w,m,d) in Elternzeit oder ohne feste Anstellung
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